Sie kommen aus der Türkei, dem Irak, aus afrikanischen Staaten wie Somalia, der ehemaligen Sowjetunion - den sogenannten GUS-Staaten. Eins haben sie alle gemeinsam: sie sind junge Migranten in Deutschland, leben - zum Beispiel – in Bonn und sie nehmen die Hilfe des dortigen Jugendmigrationsdienstes in Anspruch.
Ein Hörfunkbeitrag für das domradio von Yorck Weber
Der Jugendmigrationsdienst in Bonn – Ein Beitrag für das domradio
Anmoderation:
Sie kommen aus der Türkei, dem Irak, aus afrikanischen Staaten wie Somalia, der ehemaligen Sowjetunion. Eins haben sie alle gemeinsam: sie sind junge Migranten in Deutschland, leben - zum Beispiel – in Bonn und sie nehmen die Hilfe des dortigen Jugendmigrationsdienstes in Anspruch.
Was dieser den jungen Leuten bietet, weiß Yorck Weber:
Beitrag:
Eine offene Sprechstunde an zwei Tagen in der Woche, Übersetzungen, Begleitung zu Ämtern, Nachhilfe-Unterricht: das Angebot des Jugendmigrationsdienstes - kurz JMD – in Bonn ist vielfältig. Getragen wird der JMD durch den Heimstadt e.V., einem katholischer Träger der Jugendsozialarbeit, bezahlt wird das Angebot primär aus Geldern des Bundesjugendministeriums, sowie des Erzbistums Köln und der Stadt Bonn.
Seit 8 Jahren arbeitet Anita Demeler für den JMD in Bonn. Sie ist selbst als junge Migrantin aus Polen nach Deutschland gekommen, sie kennt die Situation, in der sich ihre Schützlinge befinden, also bestens.
Insbesondere neu zugewanderte Jugendliche haben mit dem Erlernen der deutschen Sprache zu kämpfen. Anita Demeler:
"Das erste Anliegen ist: ich will Deutsch lernen. Dann suchen wir den Sprachkurs aus mit den Jugendlichen und gleichzeitig erfahren wir, dass die Finanzen nicht stimmen, der Wohnraum zu klein ist, zwischendurch wurde die Frau schwanger, das baut quasi aufeinander auf. Je tiefer die Beziehung, desto mehr vertrauen sie uns und dann öffnen sich die Leute und sagen uns was dahinter steckt und wo sie Unterstützungsbedarf haben."
In Bonn gibt es eine internationale Begegnungsstätte, wo jeder Zuwanderer den Berechtigungsschein zur Teilnahme an einem Integrationskurs erhält. Von dort werden die jungen Zuwanderer an den Jugendmigrationsdienst vermittelt - zu einer "Erstberatung", wie es heißt. Engen Kontakt pflegt der JMD aber auch über eine Berufsschule mit internationalen Klassen, dort wird das Angebot regelmäßig vorgestellt. Wer jedoch konkrete Fragen hat, der landet auch über Mund zu Mund-Propaganda bei Anita Demeler und ihren Kollegen, dennoch sagt sie:
"Ich bin immer wieder erschrocken, wenn z.B. Jugendliche bei uns ankommen, die nie vorher was vom JMD gehört haben. Darüber, welche schlechten Erfahrungen sie gemacht haben, wie wenig Lobby sie haben. Wenn sie bei uns ankommen finden sie hier quasi eine "Ruheinsel" vor. Erstmal Kraft tanken, aufgepeppt werden, gesagt bekommen, du bist nicht nur schlecht!"
Ifrah Mohamed kam vor fünf Jahren als Flüchtling aus Somalia nach Deutschland. Die heute 22-jährige floh mit ihrer Familie vor dem wütenden Bürgerkrieg. Der Anfang hier in Deutschland war jedoch auch schwer, erinnert sie sich:
"Weil man einfach die Sprache nicht kann, dann kann man gar nicht anfangen. Mein Gefühl war in damaliger Zeit sehr schwierig, weil ich keine Kontakte, keine Freunde, keine Leute die ich kenne hatte, alles war fremd."
Geändert hat sich das nach einem Schulwechsel: Raus aus der Förderklasse für junge Migranten mit extra Deutschkurs, rein ist das Leben der deutschen Schüler. Hier konnte sie zaghaft beginnen, das Erlernte bei den Schulkameraden zu erproben. Sich auszutauschen über all das, was alle Jugendliche interessiert: Musik, Mode und Mitschüler.
Als nach der Schulausbildung jedoch die Erfolge bei der Lehrstellenbewerbung ausblieben, erzählten ihr Freunde vom JMD.
"An dem Tag, wo wir hier hin gekommen sind, waren wir verzweifelt. Wir wussten nicht, was wir machen müssen. Jetzt sind wir ungefähr vier Jahre hier und wir kommen immer noch zum JMD. Wir kommen immer noch zu nerven." Ifrah muss lachen. "Ich fühle, dass ich hier immer Unterstützung kriegen kann."
Ifrah wollte gerne Krankenschwester werden. Der JMD riet ihr, zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr im Krankenhaus zu absolvieren. Mit Erfolg: Zum 1. September hat sie nun einen Ausbildungsplatz zur Krankenschwesterassistentin bei den Bonner Universitätskliniken in der Tasche.
So wie auch Ifrahs Freundin Rabia Balaman. Die 20-jährige Türkin kam vor fünf Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland. Rabias Vater lebte und arbeitete schon einige Jahre hier, die Familie wollte nach Jahren der Trennung nun endlich wieder zusammen sein.
Die beiden jungen Frauen lernten sich im Berufskolleg kennen, dort paukten sie zusammen in einer Klasse. Auch Rabia hat ein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht. Nach erfolgreicher Unterstützung beim Bewerbungen-Schreiben durch Anita Demeler wird auch sie im September als Krankenschwesterassistentin anfangen. Nicht ohne Stolz sagt sie:
"Wir haben den Vertrag schon unterschrieben, alles besprochen und wir warten bis September!"
Ein regelmäßiges Problem bei der Ausbildungs- und Arbeitsplatzsuche ist der Aufenthaltsstatus der jungen Migranten. Ist dieser nur für ein Jahr gesichert, ist dies für viele Arbeitgeber ein Absage-Kriterium, weil zu unsicher. Die Lehrstelle bekommt dann ein deutscher Kandidat, mit vielleicht schlechteren Schulnoten.
Immer wieder mussten Rabia und Ifrah den Chefs in spe erklären, dass sie mit der Unterschrift auf dem Ausbildungsvertrag auch die gesamten drei Jahren in Deutschland bleiben dürften. Sieht der JMD Handlungsbedarf, die Arbeitgeber besser über die Rechtslage zu informieren?
"Auf jeden Fall", sagt anita Demeler. "Da versuchen wir auch zu intervenieren, in dem wir die Betriebe ansprechen. Wir versuchen die Situation dann aus unserer Sicht zu erklären. Wir begleiten zum Ausländeramt, erklären nochmal alles, damit der Status dann sicher ist. Klar, die Betriebe investieren Geld in die Auszubildenden und möchten Sicherheit haben."
Rund 430 Jugendmigrationsdienste gibt es auf ganz Deutschland verteilt. Sie werden bundesweit von verschiedenen Trägern der Jugendsozialarbeit organisiert. Neben der Katholischen Jugendsozialarbeit beraten und begleiten die Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit, die Arbeiterwohlfahrt, der Internationale Bund, der Paritätische und das Deutsche Rote Kreuz junge Zuwanderer und junge Zuwanderinnen im Alter zwischen 12 und 27 Jahre.
Das Programm Jugendmigrationsdienste gehört zur Initiative "Jugend Stärken" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Ziel der Initiative ist es, nach Möglichkeit allen Jugendlichen gleiche Startchancen im Leben zu ermöglichen. Das betont auch Jugendministerin Kristina Schröder:
"Jedes Kind und jeder Jugendliche verdient eine Chance. Und wenn er diese Chance verspielt hat, dann verdient er noch eine."
Eine Sichtweise, die auch Anita Demeler unbedingt teilt:
"Auf jeden Fall: Motivieren, Streicheleinheiten verteilen, wieder motivieren, dass die Jugendlichen, wenn sie wieder nach Ausbildungsstellen suchen, am Ball bleiben. Weil sie sehr oft mit Niederlagen kämpfen müssen, mit Absagen. Da ist die Laune, die Motivation oft im Keller."
Ifrah und Rabia erinnern sich immer wieder dankbar und gerne an die freundliche Aufnahme beim JMD, sie kamen damals mit drei weiteren Mädchen im Schlepptau in die Beratungsstelle gerauscht. Alle waren mit der Schule fast fertig und auf der Suche nach passenden Lehrstellen.
"Ich kann diesen Tag nicht vergessen", sagt Ifrah, "ich auch nicht, das war so ein schöner Tag", stimmt Rabia ihr zu.
Abmoderation:
So ein schöner Tag, genau... Und mit dem Ausbildungsvertrag in der Tasche sieht es für die beiden jungen Frauen doch nach einer guten Zukunft aus! Wenn Sie mehr über die Arbeit des Jugendmigrationsdienstes Bonn erfahren wollen: alle Infos zu den über 400 Diensten in Deutschland gibt es im Netz unter www.jugendmigrationsdienste.de