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Dormagen

Beratungsführer für Migranten in vier Sprachen - Miteinander statt Nebeneinander

Dormagen, 15.12.2005 Erstmals gab die Stadt Dormagen einen Empfang zur Begrüßung von neu zugezogenen Ausländern. Er ist ein wichtiger Baustein des Integrationsprojektes "Zusammenleben in Dormagen", das vom Land prämiert ist und gefördert wird.

Dormagen ist bunt: 42 neu zugezogene Ausländer und Spätaussiedler aus neun Nationen begrüßte Gerd Trzeszkowski, Leiter des Fachbereichs Soziales, bei einem Empfang im Bürgerhaus Hackenbroich - eine Premiere.

Priyaphat Froitzheim aus Thailand und Natalia Perepelicyna aus Wolgograd in Russland stehen gemeinsam an einem Tisch im Bürgerhaus Hackenbroich, essen türkische Pizza und unterhalten sich - auf Deutsch, mit Händen und Füßen, denn noch sprechen sie die Sprache nur bruchstückhaft. Zum ersten Mal hatte die Stadt Dormagen 42 Zuwanderer, Familiennachzügler und Spätaussiedler aus neun verschiedenen Nationen, die im vergangenen halben Jahr nach Dormagen gekommen waren, zu einem offiziellen Empfang eingeladen.

Die Begrüßungsfeier ist ein Baustein des Förderkonzepts "Zusammenleben in Dormagen" (ZiD), das bei einem Landeswettbewerb vor einigen Wochen prämiert wurde und jetzt als Integrationsprojekt gefördert wird. Rund zwölf Prozent der Dormagener sind Ausländer. Noch einmal so viele Menschen kommen aus Familien, die nach Deutschland eingewandert sind.

Um sie besser in das Leben in der Stadt zu integrieren, wurde ZiD ins Leben gerufen: Seit einigen Wochen gibt es mit Wiljo Katers im Rathaus einen Integrationsbeauftragten, der direkter Ansprechpartner für Ausländer und Spätaussiedler ist. Er hat begonnen, ein Netzwerk aufzubauen, in dem alle Angebote für diese Menschen gebündelt werden.

Dazu gehört auch ein Beratungsführer für Migranten in vier Sprachen, der den geladenen Gästen aus China, Bosnien, der Türkei, Peru, der Ukraine und Serbien-Montenegro bei der Premiere des Empfangs erstmals überreicht wurde. Das ZiD-Begrüßungspaket enthielt außerdem einen Stadtplan, ein städtisches Malbuch für Kinder, ein Vierer-Ticket für die Fahrt mit dem Stadtbus, ein Wörterbuch "Deutsch als Fremdsprache", ein Einkaufsgutschein von 20 Euro für die Innenstadt und kleinere Werbegeschenke.

"Wir wünschen uns, dass Sie sich in der Gemeinschaft der Dormagener wohlfühlen und aktiv am Gemeinwesen teilnehmen können", erklärte Gerd Trzeszkowski, Fachbereichsleiter für Soziales, den Gästen beim Empfang. Die Begrüßungsfeier und das gesamte Integrationsprogramm seien wichtige Schritte vom "Nebeneinander zum Miteinander". Dieser Ansicht ist auch Mehmet Güneysu, Vorsitzender des Dormagener Integrationsrates.

"Zu lange waren Ausländer kein fester Bestandteil der Gesellschaft, sondern standen abseits", sagte er. Beide Seiten müssten sich jetzt aufeinander zu bewegen. Dormagener aus anderen Ländern müssten gleichberechtigt behandelt werden, aber auch deutlich ihren eigenen Integrationswillen zeigen. "Das ist die beste Voraussetzung für ein friedliches Leben in der Gemeinschaft."

Dass viele Ausländer diesen Integrationswillen haben, bestätigt Ayfer Gögercin, die im Büro des Vereins "Aktiv für Hackenbroich" türkische Zuwanderer berät. "Für die meisten in das zentrale Anliegen, so schnell wie möglich die deutsche Sprache zu lernen", sagt sie. Das sieht auch Natalia Perepelicyna so. Sie ist mit der gesamten deutsch-russischen Großfamilie aus Wolgograd vor drei Monaten nach Dormagen gekommen, "damit die Kinder einmal eine bessere Zukunft haben".

Seit gut vier Wochen macht sie einen Deutsch-Intensivkursus und kann bereits eine einfache Unterhaltung in der neuen Sprache führen - und die Geste des Begrüßungsempfang loben. "Wir haben das Gefühl, willkommen zu sein", sagt sie. Gut aufgenommen fühlt sich auch Priyaphat Froitzheim. Die Thailänderin hatte Anfang des Jahres in Deutschland Urlaub gemacht und sich verliebt . Seit Mai ist sie verheiratet - und eröffnet ihrem Mann täglich neue, charmante Perspektiven auf seine Heimatstadt.

"Ich liebe das Klima hier, zu Hause war es immer so furchtbar heiß", sagt sie und schaut zufrieden in den grauen Himmel, aus dem es in Strömen regnet. Von Heimweh keine Spur. Das ist bei Natalia und ihrer Familie noch ein bisschen anders. Wie lange wird es dauern, bis Dormagen ihre Heimat ist? Sie zuckt mit den Schultern. Der Start war gut, aber diese Frage kommt eindeutig zu früh.

Von Petra Schiffer


INFO: Projekt "ZiD"

Das Landesministerium für Soziales hatte Ende April kurzfristig den Wettbewerb "Innovation in der kommunalen Integrationsarbeit"
ausgeschrieben. Dormagen bewarb sich mit 70 weiteren Kommunen - und wurde gemeinsam mit 38 weiteren Städten prämiert. In diesem Jahr fördert das Land die Initiative "Zusammenleben in Dormagen" (ZiD) mit
38 400 Euro. Die gleiche Summe hat die Stadt für das kommende Jahr erneut beantragt.

(Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 15.12.1005)




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