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477 Jugendmigrationsdienste in Deutschland

Mitten im urbanen Raum - Regionaltreffen JMD im Quartier in Wuppertal

Menschen aus über 90 Nationen leben in Oberbarmen-Wichlinghausen, einem Stadtteil im Norden Wuppertals. Das Bild ist geprägt durch Gründerzeithäuser und Bauten aus den 1950er Jahren. Mitten im Quartier verläuft die stillgelegte Nordbahntrasse, die zu einem Rad- und Fußweg umgebaut wurde. In diesem durch Umbruch gekennzeichneten Quartier trafen sich am 28.8.2019 Mitarbeitende aus sechs Standorten des Modellprojektes JMD im Quartier, um sich auszutauschen, inspirieren zu lassen und um gemeinsam Projektideen zu entwickeln.

 

Regionaltreffen mitten im urbanen Raum

Karla Spennrath, JMD im Quartier Projektverantwortliche in Wuppertal, zeigte den Kolleginnen und Kollegen aus Bremen, Flensburg, Hamburg, Peine und Stuttgart ihr Quartier in Oberbarmen-Wichlinghausen. Der vielfältige Rundgang führte zu den Graffitis des JMD im Quartier Mikroprojektes „Mural Studios“, die bereits große Beachtung im Stadtviertel gefunden haben. Ziel des Rundgangs war die Nordbahntrasse, wo umgeben von Skaterhalle, Parkour-Platz und dem denkmalgeschützten Wichlinghausener Bahnhof die Klimastation Wuppertal steht: Ein Baucontainer, mitten im urbanen Raum, der ungewöhnlicher Treffpunkt für diesen Tag war.

Die Klimastation ist ein neues Angebot des Vereins Bob Kulturwerk und wurde in Kooperation mit JMD im Quartier realisiert. Der Standort ist gut gewählt und erzeugt Aufmerksamkeit. Jugendliche kommen interessiert näher und auch vorbeifahrende Fahrradfahrer*innen halten neugierig an und fragen, was das denn wird. Es wird ein Beteiligungsprojekt für Jugendliche, in dem es nicht nur um die Umwelt, sondern auch um das gesellschaftliche Klima im Stadtviertel geht! Wie wollen wir zusammenleben? Wie können wir gemeinsam Stadt gestalten?

 

Die Klimastation am alten Wichlinghausener Bahnhof soll Ausgangspunkt für Beteiligungsprojekte werden.

Jugendliche als „Stadtmacher“

Das Regionaltreffen in Wuppertal war für alle Teilnehmenden sehr eindrucksvoll und gewinnbringend. Im Zentrum standen sowohl der Austausch zu den Herausforderungen der Arbeit in den Quartieren, als auch die unterschiedlichen Herangehensweisen in der Projektentwicklung. Inspiriert durch die sozialraumorientierte Umsetzung in Wuppertal, welche sich sehr an den Handlungsfeldern des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) orientiert, entstand eine Diskussion, wie der Quartiersbezug in den JMD im Quartier-Mikroprojekten hergestellt und gleichzeitig auf die Lebenswelt und Themen der jungen Menschen eingegangen werden kann.

In Wuppertal werden die Jugendlichen in ihrem Quartier als „Stadtmacher“ gesehen. Als Grundlage zur Entwicklung von Mikroprojekten werden zum einen die Bedarfe der Jugendlichen, zum anderen das ISEK herangezogen.  Das Ergebnis sind vielfältige Projekte, wie der Kurzfilm „Unsere Stadt – alt und neu“ , die den Jugendlichen im Quartier eine Stimme geben.

Mehrwert für Menschen und Stadtviertel schaffen

Die im Zuge des Modellprojekts JMD im Quartier in Oberbarmen-Wichlinghausen entwickelten Mikroprojekte wollen vor allem die Teilhabechancen junger Menschen im Quartier, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund, verbessern. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt, wie bei allen JMD im Quartier-Standorten, in der Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren und Initiativen, um den jungen Menschen die Möglichkeit zur Integration und Mitgestaltung ihres nachbarschaftlichen Umfelds zu geben. 

Jedes entwickelte Projekt schafft dabei einen Mehrwert für die Teilnehmenden und gleichzeitig für das Stadtviertel. Die Initiierung und die Verstetigung der dazu notwendigen Netzwerke soll den Aufbau resilienter Nachbarschaften sowie Freiräume für die Bewohner*innen in Oberbarmen-Wichlinghausen fördern. Die Beteiligung der jungen Bewohner*innen bei der Gestaltung ihres Quartiers erhöht die Identifikation und führt zu mehr Zusammenhalt.

Menschen in Oberbarmen Wichlinghausen - Ein Fotoprojekt

Im Mikroprojekt biographische Portraits enthüllen Jugendliche ihre Wünsche für ein Zusammenleben im Stadtteil Oberbarmen-Wichlinghausen.

So enthüllt das Mikroprojekt „Biografische Portraits“ in Form von Fotoportraits Wünsche, Positionen und Bedarfe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen für das Zusammenleben im Stadtteil Oberbarmen-Wichlinghausen. Seit dem Projektstart im Herbst 2018 haben sich drei Formate herausgebildet: Künstlerisch-narrative Formate, die das Sein und Werden der Jugendlichen mit mehreren  Kulturen wiedergeben, ein Buch mit Fotos und Kinderillustrationen zu den Sagen und Märchen verschiedener Länder sowie eine Inszenierung der Fotoportraits als großformatige Bildprojektionen auf Fassaden und in Fenstern leerstehender Ladenlokale.

Farbe für graue Wände

 

Das Quartier wird bunt mit dem Mikroprojekt Mural Studio

Als Graffitipräventionsprojekt gestartet, gestalten die Jugendlichen im „Mural Studio“ ihr nachbarschaftliches Umfeld und haben die Möglichkeit sich künstlerisch zu positionieren. Großer Wert wurde darauf gelegt, die Jugendlichen auf die Konfliktbereiche des Illegalen Sprühens aufmerksam zu machen. Im Kontakt mit anderen Bewohner*innen, Hausbesitzern und Akteuren beschreiten die jungen Menschen neue Wege. Als „Mural Studio“ gestalten sie nun legal - in Zusammenarbeit mit lokalen Szene-Sprühern und Fachhandwerksbetrieben - freigegebene Wände in Oberbarmen Wichlinghausen mit Malerei-, Graffiti- und Streetarttechniken. Ein erstes Werk wurde im Herbst 2018 an der Wichlinghauser Straße fertiggestellt.

Mehr zu dem Modellprojekt Jugendmigrationsdienst im Quartier und unseren bundesweit 16 Standorten, erfahren Sie auf www.jmd-im-quartier.de .

Text: Projektkoordination JMD im Quartier / Julija Lleshi

Fotos: Servicebüro Jugendmigrationsdienste & JMD im Quartier Wuppertal

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