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465 Jugendmigrationsdienste in Deutschland

Beraten und Begleiten im südlichen Brandenburg

Beraten und Begleiten im südlichen Brandenburg

Der JMD Niederlausitz ist in der Region an vier Standorten vertreten

Als Bundesjugendministerin Dr. Kristina Schröder im letzten Jahr ins schmucke Berliner Radialsystem zum Aktionstag JUGEND STÄRKEN lud, war auch der 21jährige Alija Cufta mit vor Ort. „Dort mit dabei zu sein fand ich richtig spannend“, erinnert sich der junge Goraner immer noch gerne und nicht ohne einen gewissen Stolz. Wer Alijas beschwerlichen Lebenslauf kennt, kann sein Gefühl  gut nachvollziehen. 

 

Die Goraner - oder auch Goranci, wie sich die südslawisch sprechende islamische Volksgruppe gerne selbst nennt - ist vornehmlich im südwestlichen Kosovo beheimatet, dort lebte auch Alija mit seiner Familie. „Ich kam im Jahr 1998 mit meinen Eltern und meinem Bruder nach Deutschland“, erzählt er. „Wir kamen zu Fuß. Meine Familie floh während des Bürgerkrieges aus dem Kosovo, wir beantragten in Deutschland Asyl und leben jetzt im brandenburgischen Guben.“ Dass Alija einmal zu einer Veranstaltung mit der Jugendministerin reisen wird, hätte er sich damals nicht vorstellen können, sagt er heute und betont „auf so einen Gedanken wäre ich selbst doch nie gekommen“.

Zum Aktionstag fuhr Alija mit Mitarbeiterinnen des Jugendmigrationsdienstes Niederlausitz (JMD). Dieser und drei weitere JMD waren ausgewählt worden, ihre Arbeit dort zu präsentieren. „Ob Hilfe bei der Schul-, Ausbildungs- und Arbeitsplatzsuche oder beim Umgang mit Behörden, wir bieten für junge Menschen mit Migrationshintergrund individuelle Beratung und Begleitung an“, fasst Leiterin Solveig Reichwald die vielfältigen Aufgaben des vom Diakonischen Werkes Niederlausitz getragenen JMD zusammen. 

 

Mit vier Standorte in der Region vertreten

Bildunterschrift

In der Region ist der Jugendmigrationsdienst an den vier Standorten Cottbus, Spremberg, Forst und Guben mit seinen Angeboten vertreten. Während in Cottbus überwiegend EU-Bürgerinnen und Bürger, Menschen aus Drittstaaten sowie jüdische Kontingentflüchtlinge mit unbefristeter Aufenthaltserlaubnis begleitet werden, sind es im Landkreis Spree-Neiße vornehmlich junge Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler, die Hilfen des JMD in Anspruch nehmen.

Alija wird bei seinem Integrationsprozess in der neuen Heimat seit bereits drei Jahren von den Mitarbeiterinnen des JMD Niederlausitz begleitet. „Termine bei der Ausländerbehörde, Bafög-Antrag, Lehrstelle finden, all dieses hätte ich alleine nicht geschafft“, sagt Alija, der eine Ausbildung zum Tourismusassistenten abgeschlossen hat und jetzt Pläne für seine weitere berufliche Zukunft schmiedet: „Ich möchte gerne Reiseverkehrskaufmann werden“, sagt er. Auch auf eine internationale Aufgabe ist der junge Mann durch seine Sprachkenntnisse gut vorbereitet. Alija hat neben deutsch auch englisch und französisch gelernt, außerdem spricht er serbisch und sagt selbstbewusst über sein Leben in Deutschland: „Ich habe meine Kumpels hier, bin ehrenamtlicher Fußball-Schiedsrichter, zudem kann ich hier viel lernen. Wer sich in Deutschland integrieren will, bekommt auch die Chance dazu.“

 

Sportlich-musikalische Gruppenangebote

Neben der individuellen Beratungsarbeit stehen Gruppenangebote auf dem Programm des JMD Niederlausitz, auch Alija hat diese für sein eigenes Fortkommen genutzt: Bewerbungstraining, Seminare zur Berufsorientierung, Hausaufgabenhilfe, Internetrecherchen für Schule und Ausbildung. Eher außergewöhnlich sind die Offerten des JMD im Bereich Musik und Sport. So erteilt ein Gitarrist einmal pro Woche in Spremberg Einzel- und Gruppenunterricht. Gitarren, Noten und das notwendige Zubehör stellt der JMD zur Verfügung. „Durch die Musik finden Gleichgesinnte zueinander, mit jedem erlernten Stück haben sie ein Erfolgserlebnis“, erklärt Solveig Reichwald das Konzept. „Neben der musikalischen Ausbildung werden die jungen Leute zudem zu Toleranz, Disziplin, Ausdauer und Rücksichtsnahme befähigt.“

In den Räumlichkeiten des JMD in Spremberg trafen sich zunächst einzelne Jugendliche, die gern die ihre sportliche Leistungsfähigkeit verbessern wollten. Daraus erwuchs ein offenes Freizeitangebot, eine Fitnessgruppe trifft sich mittlerweile mehrmals wöchentlich zum Kraft- und Ausdauertraining. „Prima, dass das geklappt hat damals, über den Sport sind auch viele neue Freundschaften entstanden“, erzählt freudig Ivan Strichortschuk , ein junger Spätaussiedler aus Kasachstan. Der engagierte junge Mann kümmert sich ehrenamtlich und die Wartung und Pflege der Sportgeräte, auch leitet er die Fitnessgruppe an.

 

In Netzwerken und der Öffentlichkeit präsent

Bildunterschrift

Neben der direkten Arbeit mit und für die jungen Migrantinnen und Migranten sind die JMD-Mitarbeiterinnen in verschiedene Netzwerke der Region Niederlausitz eingebunden. Dazu zählt die Mitwirkung im Lokalen Bündnis für Familien, dem Arbeitskreis Migration des eigenen Trägers der Diakonie, dem von der Integrationsbeauftragten des Landkreises initiierten Integrationsnetzwerk Spree-Neiße. Eine enge Zusammenarbeit gibt es zudem mit der Kompetenzagentur Cottbus, auch arbeitet der JMD mit im Begleitausschuss der Lokalen Koordinierungsstelle der Stadtverwaltung Forst für das Förderprogramm STÄRKEN vor Ort.

„Unsere regelmäßige, aktive Mitarbeit in allen relevanten Netzwerken der Stadt Cottbus und des Landkreises Spree-Neiße ist für uns sehr wichtig“, betont Solveig Reichwald. „Im Rahmen der einzelnen Sitzungen treten wir konsequent für unsere Zielgruppe ein und weisen auf ihre Bedürfnisse hin. Wir verstehen dies als unseren Beitrag zur interkulturellen Sensibilisierung der Fachöffentlichkeit“, so die Leiterin des JMD.

In der Öffentlichkeit präsent ist der Niederlausitzer Jugendmigrationsdienst aber nicht allein über seine vielfältige Netzwerkarbeit. So macht der JMD auch über die regelmäßige Teilnahme an „Cottbus Open“, einem multikulturellen Festival, auf sich aufmerksam. Initiativen Zugewanderter und einheimische Institutionen präsentieren bei diesem jährlich veranstalteten Stadtfest ihr umfangreiches Angebot von und für Menschen mit Migrationshintergrund. Auch Alija Cufta trifft man dort am Stand des JMD, er sagt: „Mir wurde so viel geholfen im Leben, über meine Mitarbeit möchte ich jetzt etwas zurückgeben.“

 

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