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465 Jugendmigrationsdienste in Deutschland

Mit PafüM und Netzwerkarbeit in Ausbildung und Job

Mit PafüM und Netzwerkarbeit in Ausbildung und Job

Der JMD Bremen bietet jungen Migrantinnen und Migranten vielfältige Angebote, die sie besonders für den Arbeitsmarkt fit machen sollen.


„Die besondere Situation in Bremen ist, dass unser Netzwerk überschaubar und effektiv ist“, im Interview für das JMD-Portal kommt der Leiter des Jugendmigrationsdienstes Bremen (JMD) schnell auf den Aspekt der Vernetzung zu sprechen. Denn tatsächlich ist der Stadtstaat strukturbedingt in einer komfortablen Situation: „Was sich in anderen Städten auf der kommunalen Ebene abspielt, passiert bei uns direkt eine Etage höher. Wenn wir also mit der zuständigen Senatorin für Jugend etwas besprechen, ist das schon Landesebene“, freut sich Lüken. 

Doch gute Vernetzung heißt für ihn nicht nur einen g guten Draht in die Politik zu haben. Vor allem geht es um kurze Wege zu Institutionen, die der, vom Bremer Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) getragene, JMD direkt und unkompliziert für seine jugendliche Klientel nutzen kann. Dazu gehören das Jobcenter der Arbeitsagentur oder das städtische Aus- und Fortbildungszentrum ebenso wie auch Freizeit- und Sporteinrichtungen. Eine besondere Rolle spielt der Kontakt zur Wirtschaft in Stadt und Region: „Ob es um die Vermittlung von Praktika geht oder die Vorbereitung auf Einstellungstests, die Zusammenarbeit mit Betrieben oder auch der Handwerkskammer hilft uns dabei, Türen für die Jugendliche zu öffnen“, erzählt Lükens Kollegin Olga Ils. 

 

Und auch das AWO-interne Netzwerk wird regelmäßig genutzt. Herbert Lüken veranschaulicht das an Beispielen: „Zu uns kam eine junge Mutter aus dem Projekt BQNet (Berufliches Qualifizierungs-Netzwerk) die ihre Ausbildung nicht antreten konnte, da sie für ihr Kind keinen Betreuungsplatz bekam. Wir hörten uns um, ob es eine Möglichkeit gäbe, das Kind in einer AWO-Kindertagesstätte aufzunehmen und hatten Glück: nachdem der Junior erfolgreich untergebracht war, konnte nun auch die Mutter mit ihrer Ausbildung beginnen."

 

Mit Kursen zu mehr Kompetenz 

Wem jedoch schon die Voraussetzungen für die Aufnahme eines Ausbildungsplatzes oder Arbeitsangebotes fehlen, wer als junge Migrantin oder junger Migrant bereits in der Schule Schwierigkeiten hat, für die oder den bietet der JMD Bremen spezielle Kursreihen an. So treffen sich bis zu zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer pro Kursus einmal in der Woche für drei Stunden. Auf dem Programm stehen dann Angebote zur Kompetenzstärkung und Berufsorientierung, zum Umgang mit dem PC und dem Internet. Das Schulungsprogramm erstreckt sich auf mehrere Standorte in Bremen und Bremerhaven. 

Dabei orientiert sich das methodische Vorgehen in den Kursen jeweils an den bis zu diesem Zeitpunkt erworbenen, individuellen Lebenserfahrungen und dem Lernstand der jungen Migrantinnen und Migranten. „Zum einen fehlen den jungen Migrantinnen und Migranten oft Informationen über die Palette an Berufen, die zu den eigenen Wünschen und Vorkenntnissen passen. Zum anderen mangelt es bei den Jugendlichen oft an alltagstauglichen Deutschkenntnissen, die für das Formulieren einer Bewerbung unabdingbar sind. In beiden Fällen bieten unsere insgesamt 14 Kursreihen Abhilfe“; erzählt Herbert Lüken. 

 

Speziell für Schülerinnen und Schüler bietet der JMD Bremen das Projekt PafüM an. Unter dem Motto „Patenschaft für Migranten - Alt und Jung“ erhalten in Bremen Nord junge Menschen aus Zuwandererfamilien Hausaufgabenhilfe durch ältere Paten. „Neben der Förderung schulischer Kompetenzen dient das Zusammentreffen der lebenserfahrenen, deutschen Paten mit den vielfältig interessierten jungen Migrantinnen und Migranten auch dem Austausch über die jeweils andere Kultur“, berichtet Karin Sfar, die projektverantwortliche JMD-Mitarbeiterin. Und so wurde das Patenprojekt jüngst von der Bürgerstiftung Bremen Nord mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. 

 

Stark im Team

An junge Migrantinnen und Migranten im Alter von 15 bis 27 Jahre, die erst kurz in Deutschland leben und bisher ohne Ausbildungs- und Arbeitsplatz sind, richtet sich das Projekt „Stark im Team“, kurz SiT. Durch die Vermittlung in Praktika, Präsentation von Berufsbildern sowie Bewerbungs- und Deutschtraining an zwei Nachmittagen in der Woche will der JMD Bremen die notwendigen Voraussetzungen schaffen, damit die jungen Zuwanderer sich in der beruflichen Welt möglichst schnell zurechtfinden können.

Für eine positive berufliche Entwicklung brachte eigentlich Kristina Mehling alle nötigen Voraussetzungen mit. Die 25-jährige machte nach ihrem Realschulabschluss zunächst eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation im öffentlichen Dienst. Jedoch, die Jobangebote blieben für die junge, gut Deutsch sprechende Frau aus Usbekistan aus. Erfolglose Bewerbungen später erzählte ihr eine Freundin schließlich vom Jugendmigrationsdienst. Olga Ils konnte Kristina über das kommunale Aus- und Fortbildungszentrum (AFZ) in ein Praktikum vermitteln – beim Finanzamt. „Ich habe immer schon gerne mit Zahlen gearbeitet“, freute sich Kristina Mehling damals – und auch heute. Denn mittlerweile absolviert sie eine zweite Ausbildung: über das Finanzamt als Steueranwärterin.

 

Islam Can kam im Jahr 1988 mit seiner Familie aus Anatolien nach Deutschland.

„Mein Vater nahm hier eine Arbeit auf, ein neuer Anfang war es aber für uns alle“, erinnert er sich. Mit einem schulischen Abschluss der Höheren Handelsschule in der Tasche war Islam nach der Schulausbildung zunächst zuversichtlich, auf dem Arbeitsmarkt auch Fuß zu fassen. Nachdem er erfolglos rund 70 Bewerbungen geschrieben hatte, erfuhr der damals 26-jährige Islam Can über eine Klassenkameradin Kristinas von deren Geschichte und schöpfte neue Hoffnung. Der JMD konnte ihm schließlich helfen: Tatsächlich arbeitet auch er, nach einer Ausbildung, heute in der Bremer Finanzverwaltung – als Steueranwärter ist Islam Can inzwischen Beamter auf Widerruf.

„Besonders die Kontinuität in der Begleitung der jungen Menschen ist wichtig, um irgendwann Erfolg zu haben“, erklärt dazu Olga Ils und ergänzt: „und der Austausch unter den jungen Migrantinnen und Migranten hilft ebenfalls dabei“. So geben mittlerweile vom JMD Bremen begleitete Auszubildende selbst Tipps und Erfahrungen bei einem regelmäßig angebotenen Stammtisch anderen jungen Menschen mit Migrationshintergrund weiter. „Auch eine prima Möglichkeit, sich zu vernetzen“, sagt Herbert Lüken.

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