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465 Jugendmigrationsdienste in Deutschland

Der Jugendmigrationsdienst Dresden

 

Chancengerechtigkeit und Vernetzung beim JMD Dresden

Der Jugendmigrationsdienst (JMD) der Caritas in Dresden wurde bereits zwei Jahre nach dem Fall der Mauer, im Jahr 1991, gegründet. Zunächst waren es Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler, die durch die Vorgängerinstitutionen der JMD, die Jugendgemeinschaftswerke, begleitet wurden. Auch heute noch nutzen zumeist jugendliche Migrantinnen und Migranten aus dem russischen Sprachraum die vielfältigen Angebote des JMD. Viele von ihnen reisen ihren Familien hinterher, manche kommen zum Studieren nach Deutschland. Die zweitgrößte Gruppe sind Menschen aus Vietnam. Diese waren damals von der DDR angeworben worden, um unter anderem in der Textilindustrie oder im Maschinenbau zu arbeiten. Weiterhin besuchen junge Menschen aus dem Irak, Afghanistan, dem Libanon oder den südosteuropäischen Staaten den JMD. Das fünfköpfige Team des Jugendmigrationsdienstes der Caritas stellt den einzigen JMD in der Region Dresden und Freital. 

 


Ziele und Methoden

Ob in Schule, Ausbildung oder Privatleben: Die Arbeit des Jugendmigrationsdienstes Sachsen wird bestimmt von dem Ziel, jungen Menschen mit Migrationshintergrund weitgehende Chancengerechtigkeit zu ermöglichen. Mit individueller Begleitung und Beratung in den Übergängen von Schule zu Ausbildung und Beruf, Bildungspatenschaften und der Vermittlung zu anderen Fachdiensten versuchen die Fachkräfte, jeden einzelnen Jugendlichen diesem Ziel ein paar Schritte näher zu bringen. 

Weiterhin setzt der JMD Dresden erfolgreich auf Vernetzung: So arbeiten die Mitarbeitenden eng mit den regionalen Kompetenzagenturen zusammen, mit der Jugendberufshilfe sowie mit den Jobcentern. „Eine Besonderheit unserer Arbeit ist die Kooperation mit der sächsischen Bildungsagentur (Schulaufsichtsbehörde)“, betont JMD-Mitarbeiterin Sigrid Kokot: Die Mitarbeitenden des JMD Dresden besuchen regelmäßig die speziell für junge Leute mit Migrationshintergrund eingerichteten Vorbereitungsklassen, um dort ihre vielfältige Arbeit vorzustellen und Unterstützung anzubieten. Das Leistungspaket der JMD ist gut geschnürt. Neben dem Schwerpunkt Sprachförderung informiert das Dresdner Team bei Rechtskonflikten und Widerspruchsangelegenheiten, begleitet die jungen Leute bei Behördengängen und zu anderen Fachdiensten, bietet Case-Management, Erziehungs- und Familienberatung an.
 

Fallbeispiel

Nasser kam vor 5 Jahren aus dem Libanon nach Dresden. Die Familie des heute 20-jährigen hatte das Land wegen bürgerkriegsähnlicher Zustände verlassen. „Der Anfang war sehr schwer, vor allem ohne Sprachkenntnisse“, erinnert sich Nasser an die erste Zeit in Deutschland. Spezielle Förderangebote in der Schule halfen ihm, sich bald verständigen zu können, neue Freunde zu finden. 
Als die Bewerbungszeit anfing und Naser keine rechte Idee hatte, welchen Berufsweg er einschlagen sollte, schickte seine Betreuungslehrerin ihn zum JMD. „Ich hatte Angst davor, abgeschoben zu werden, wenn ich die Schule nicht schaffe und nichts finde.“ Doch Nassers Beraterin ließ nicht locker. Sie begleite ihn zu Terminen in die Ausländerbehörde oder zur Berufsberatung, sie bereitete Nasser auf Vorstellungsgespräche vor und half bei der Erstellung seiner Unterlagen. Schließlich schaffte er nicht nur den Realschulabschluss: Nasser fand mit Unterstützung des JMD auch einen passenden Ausbildungsplatz als Rohrleitungsbauer. „Mein Leben hat sich durch die Ausbildung verändert. Die Kollegen sind in Ordnung und dass ich mehr als eine Sprache spreche, wird anerkannt und geschätzt.“

 

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