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465 Jugendmigrationsdienste in Deutschland

Erfolgreiche Verbindung in Leverkusen

"JUGEND STÄRKEN im Quartier" bündelt Kompetenzen von Jugendmigrationsdienst und der offenen Jugendberufshilfe

Die Räume des Jugendmigrationsdienstes (JMD) und der Offenen Jugendberufshilfe (OJB) Leverkusen sind hell und freundlich. In zentraler Lage sind die Kontakt- und Beratungsstellen gut erreichbar. Das zeigt sich an den vielen Jugendlichen, die die Angebote wahrnehmen. Hier erhalten junge Menschen Beratung und Unterstützung bei Fragen rund um Schule, Ausbildung und Beruf. Als Fachdienst für Migration ist der JMD Leverkusen in Trägerschaft der Katholischen Jugendagentur die Beratungsstelle für junge Migrantinnen und Migranten.
"Wir arbeiten niedrigschwellig, haben umfangreiche Öffnungszeiten und sind für die Jugendlichen gut erreichbar. Das ist auch wichtig, denn oft stehen sie einfach so vor der Tür, wenn zum Beispiel ein wichtiger Brief gekommen ist", erzählt Heike Alessio, Beraterin im JMD.

Gut erreichbar: Die Beratungsstelle OJB und der Jugendmigrationsdienst Leverkusen sind zentral gelegen

 

Neu in Deutschland

In erster Linie kommen junge Menschen zum JMD, die noch nicht lange in Deutschland sind. Waren es in den vergangenen Jahren überwiegend Jugendliche aus Polen, Kroatien und der Türkei, kommen heute viele aus Syrien, dem Iran und Irak, aus Ghana oder Eritrea. Die meisten sind erst seit kurzem in Deutschland und finden schnell den Weg zu Heike Alessio und Sabine Thiel, dem Beraterinnenteam des JMD. Das liegt vor allem daran, dass die OJB und der JMD vor Ort bekannt sind und Jugendliche sie in ihren Communities weiterempfehlen. Auch sind die vielen Netzwerkpartner informiert und leiten die jungen Menschen gerne weiter.

"Als Gesamtangebot in der Jugendberufshilfe sind wir sehr gut vernetzt", erklärt Sozialpädagoge Ansgar Lutz, Leiter der OJB. "Das betrifft vor allem den Übergang Schule-Beruf. Auch mit allen Integrationskursträgern der Stadt sind wir in Kontakt; und selbstverständlich mit verschiedenen Fachdiensten, wie der Schuldnerberatung oder der Wohnungslosenhilfe".

 

Unabhängig in die Zukunft

"Die meisten Jugendlichen, die zu uns kommen, sind zwischen 16 und 27 Jahre alt. Sie möchten so schnell wie möglich eine Arbeit finden, um ihr Leben hier aufzubauen. Das geht leider nicht immer ganz so schnell. Oft sind die Sprachbarrieren noch zu groß", erklärt Heike Alessio und lächelt dabei Emmanuel an.

Emmanuel und JMD-Beraterin Heike Alessio besprechen seine Möglichkeiten für die Zukunft

Emmanuel lächelt zurück. Er weiß, was die JMD-Beraterin damit meint. Seit der 26jährige vor einem Jahr aus Ghana nach Deutschland kam, hat er ein Ziel: einen Job finden. Wie jeder junge Mensch in seinem Alter möchte er unabhängig sein und sich eine Zukunft aufbauen.

Vor sechs Monaten kam Emmanuel auf Empfehlung eines Freundes zum JMD. Er war auf der Suche nach einem Sprachkurs, wollte Arbeit und eine Wohnung finden: "Mein Freund sagte, ich kann dort mit meinen Problemen hingehen und das stimmt. Hier im JMD und der OJB gibt es gute Menschen. Sie haben immer Zeit für mich. Wenn ich Fragen habe, helfen sie mir. Sie begleiten mich, egal wo ich hin muss. Ich danke ihnen sehr."

 

Nächstes Ziel: Arbeiten

Im Auftrag der Stadt Leverkusen setzt die OJB das Modellprogramm "JUGEND STÄRKEN im Quartier" (JUSTiQ) um und unterstützt damit Jugendliche und junge Erwachsene bei der Integration in Schule, Ausbildung, Arbeit und Gesellschaft. Ziel ist, die Zusammenarbeit von öffentlicher Jugendhilfe, freien Träger der Jugendsozialarbeit und weiteren Einrichtungen wie Jobcenter oder Schulen zu verbessern, um Jugendlichen eine Förderung "aus einer Hand" zu bieten.

Von dieser Kooperationsarbeit profitierte bereits Emmanuel. OJB-Leiter Ansgar Lutz erklärt, wie es dazu kam: "Emmanuel wurde bei uns beraten und wollte gerne etwas Praktisches machen. Wir haben dann geschaut, welche Kompetenzen er bereits mitbringt und festgestellt, dass er gute handwerkliche Fähigkeiten besitzt. Dank JUSTiQ haben wir im Rahmen eines Mikroprojektes Kontakt zu der städtischen Beschäftigungsförderung erhalten und konnten ihn dorthin vermitteln."

Emmanuel arbeitete mehrere Monate bei der städtischen Beschäftigungsförderung und konnte seine beruflichen Fähigkeiten einbringen. Außerdem verbesserten sich seine Sprachkenntnisse. "Ich habe bei Umzügen in Notunterkünften, bei Maler- und Renovierungsarbeiten in städtischen Gebäuden und bei Reinigungsarbeiten geholfen. Es war sehr hilfreich in Bezug auf die Sprache. Bevor ich dorthin ging, konnte ich nichts verstehen. Jetzt ist es besser und ich verstehe viel mehr auf Deutsch.", erklärt er.

 

Hand in Hand zusammenarbeiten

Das Programm "JUGEND STÄRKEN im Quartier" bündelt Angebote der Jugendmigrationsdienste, der offenen Jugendberufshilfe und weiterer Einrichtungen. Für den JMD Leverkusen bedeutet das, dass er zum Beispiel in seiner Beratung auf die Beschäftigungsangebote der Mikroprojekte von JUSTiQ zugreifen kann. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des JMD unterstützen junge Menschen wie Emmanuel bei Vorstellungsgesprächen und bringen die Erfahrungen der Jugendlichen in die berufliche Förderplanung ein. Das Programm ist ein wichtiger Baustein, um Berufschancen für schwer erreichbare oder neuzugewanderte Jugendliche zu ermöglichen. "Ohne JUSTiQ hätten wir nicht so unkompliziert eine Arbeit für Emmanuel finden können. Ein Praktikum in einem Unternehmen wäre mit seinen derzeitigen Sprachkenntnissen nicht möglich gewesen", erläutert JMD-Beraterin Heike Alessio.

Für Emmanuel war das Praktikum eine wichtige Chance, das Berufsleben in Deutschland kennenzulernen. Seine immer besser werdenden Deutschkenntnisse und seine hohe Motivation lassen bereits nächste Vorstellungsgespräche folgen. Schritt für Schritt kommt er seinem Wunsch näher: "Mein Traum für die Zukunft ist, dass ich irgendwann genug Geld verdiene und damit ein Waisenhaus eröffnen kann. In meiner Heimat habe ich manchmal in einem Waisenhaus ausgeholfen. Das möchte ich auch hier machen. Ich möchte Kindern ohne Eltern helfen."

 

Schwerpunkte im Programm "Jugend Stärken im Quartier"

Doch nicht nur in beruflicher Hinsicht fruchtet die Zusammenarbeit zwischen JMD und JUSTiQ. Sabine Thiel, Sozialpädagogin in der OJB, arbeitet sowohl im JMD als auch im Programm "Jugend Stärken im Quartier". Mit Beratung und Case Management unterstützt sie insbesondere junge Menschen mit psychischen Belastungen. Bei dem Thema gibt es viele Schnittstellen zum JMD, da junge Menschen mit Migrationserfahrung häufig belastenden Situationen ausgesetzt sind. "Als wir uns für das Programm bewarben, war schnell klar, wo wir unseren Schwerpunkt setzen. Viele Jugendliche, die zu uns kommen benötigen eine Unterstützung zur Organisation ihres Tages. Wenn es dabei auch um Migrationsfragen geht, können wir auf die Fachlichkeit des Jugendmigrationsdienstes zurückgreifen", erklärt Ansgar Lutz.

 

Ein gutes Team: Die JMD Beraterin Heike Alessio mit dem Leiter der OJB Ansgar Lutz. Gemeinsam beraten sie Jugendliche im Programm "JUGEND STÄRKEN im Quartier"

 

Herkommen - Rückkehren - Ankommen

Eine junge Frau, die von dieser Zusammenarbeit ebenfalls profitiert, ist die 25-jährige Christina. Geboren in Deutschland mit kroatischen Wurzeln nutzt sie die Angebote des JMDs. Heute ist sie mit ihrer kleinen Tochter gekommen. Sie wirkt zufrieden, lächelt freundlich Heike Alessio an. Sie sagt, sie hätte dem Team des JMD und der OJB vieles zu verdanken: "Wenn ich sie nicht hätte, ich wüsste nicht, was ich machen sollte. Durch sie lerne ich vieles."

Christinas Weg war nicht leicht. Als sie die vierte Klasse der Grundschule in Deutschland besuchte, wurde ihr Vater abgeschoben. Ihre Mutter entschloss sich mit Christina und ihren Geschwistern ebenfalls Deutschland zu verlassen und dem Vater hinterher zu reisen. Das was Christina bis dahin als ihre Heimat kannte, musste sie nun zurücklassen. In Kroatien fiel ihr das Leben zunehmend schwer. Als junge Roma, die fließend Deutsch, aber wenig Kroatisch sprach, wurde sie zum Ziel von Diskriminierung und Hänseleien in der Schule.

 

Christina weiß, was sie beruflich machen möchte. OJB-Leiter Ansgar Lutz hilft ihr dabei, ihr Ziel zu erreichen.

 

Die Familie kehrte nach Deutschland zurück. Es war eine große Erleichterung für Christina: "Ich war froh, wieder hier zu sein. Das Mobbing in Kroatien hat mich kaputt gemacht." Die negativen Erlebnisse belasteten Christina. Als sie den Weg zum JMD fand, fühlte sie sich aufgehoben und es ging ihr besser. Ihr fehlte durch die Auswanderung viel Schulstoff, doch vergangenes Jahr konnte Heike Alessio ihr durch das Programm JUSTiQ eine Berufschance eröffnen.

In einem Pflegeheim bewies Christina ihre Fähigkeiten und sie wäre sogar übernommen wurden, wäre da nicht ein kleines Glück dazwischen gekommen. Sie schaut zufrieden auf ihre wenige Monate alte Tochter und sagt: "Jetzt bleibe ich erstmal zu Hause. Wenn die Kleine älter ist, möchte ich wieder arbeiten."

 

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