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465 Jugendmigrationsdienste in Deutschland

Vielfalt im beruflichen Alltag

Vielfalt im beruflichen Alltag

Der Jugendmigrationsdienst (JMD) Oberbergischer Kreis des Caritasverbandes hat ein großes Einzugsgebiet. Mit Sitz in Gummersbach kümmert er sich um neun Kommunen, in denen die Vielfalt an Jugendlichen mit Migrationshintergrund beeindruckend ist. Sie kommen aus Italien, Kroatien, Griechenland, der Türkei, Russland, Polen, Eritrea und vielen weiteren Ländern. „Die JMD Arbeit ist nach wie vor spannend, abwechslungsreich und herausfordernd. Es gibt immer wieder etwas Neues, ob Herkunft, Alter oder Anliegen der jungen Menschen. Es wird nie langweilig.“, lächelt JMD-Beraterin Eva-Maria Müller. Die Diplom-Sozialarbeiterin begleitet seit 12 Jahren junge Menschen mit Migrationshintergrund auf ihrem Weg in Deutschland. Zumeist sind es neu zugereiste junge Menschen, die der JMD in den ersten ein bis drei Jahren erreicht und unterstützt. Die Beratungsanliegen sind dabei genauso vielfältig wie die jungen Menschen selbst. Ob bei Familiennachzug, Anerkennungen, Sprach- und Integrationskurssuche, Ausbildungs- und Jobsuche oder anderen Herausforderungen – der JMD Oberbergische Kreis unterstützt mit Case Management, Beratung, Netzwerkarbeit und Gruppenangeboten.

 

Gemeinsam für eine individuelle Begleitung

Im JMD-Büro: Die beiden JMD-Beraterinnen Renate Bergmann und Eva-Maria Müller.

Um den jungen Menschen umfassende Angebote machen zu können, arbeitet der JMD mit vielen Kooperationspartnern zusammen. Zum Beispiel mit dem JMD Waldbröl des Internationalen Bundes (IB), der für den südlichen Oberbergischen Kreis zuständig ist oder mit der Migrationsberatung für Erwachsene (MBE): „Da ist viel Know How auf das man zurückgreifen kann. Wir kooperieren sehr eng mit der MBE. Das ist vor allem dann hilfreich, wenn die Eltern der Jugendlichen mit spezifischen Fragen kommen“, erklärt Renate Bergmann, systemische Familientherapeutin und ebenfalls Beraterin im JMD. Bald tritt sie ihren Ruhestand an. Ihr Nachfolger Michael Kritzler wird sich dann neben der Beratungsarbeit ebenfalls intensiv um die Netzwerkarbeit im JMD kümmern. 

Denn eine gute Kooperationsarbeit macht sich auch daran bemerkbar, dass Jugendliche schon kurz nach ihrer Einreise den Weg zum JMD finden. Schulen, Ausländerbehörden, Jobcenter und Integrationskursträger empfehlen den JMD weiter und bieten darüber hinaus gemeinsame Aktivitäten wie z.B. Computerkurse an. „Wir können keine Einzelfallbegleitung durchführen, wenn wir keine Kooperationspartner haben. Die Jugendlichen nehmen zum Beispiel ein Angebot bei einem der anderen Dienste wahr und lernen dadurch auch uns kennen.“, erklärt Eva-Maria Müller.

 

Lebenspraktische Dinge lernen – auf dem Weg in den Beruf

Ein weiterer wichtiger Kooperationspartner sind die Wirtschaftsjunioren (WJ) Oberberg e.V., denn viele Jugendliche kommen zum JMD mit Fragen zu Ausbildungssuche, Existenzsicherung und beruflichen Möglichkeiten. Häufig geht es darum, den Übergang von der Schule in den Beruf zu schaffen. Dabei unterstützen die Wirtschaftsjunioren den JMD seit 2012 mit verschiedenen Angeboten. Neben Betriebsbesuchen und Hospitationen ist vor allem der Projektbaustein Coach4Life sehr erfolgreich, bei dem Jugendliche intensiv von Wirtschaftsjunioren begleitet und unterstützt werden. Im gemeinsamen Gespräch mit allen Beteiligten wird die Lebenssituation des Jugendlichen besprochen und Ziele festgelegt. „Neben der Unterstützung bei Hausaufgaben oder Bewerbungen, geht es auch um lebenspraktische Dinge wie Verlässlichkeit oder einen Terminkalender zu führen.“, erläutert Eva-Maria Müller. Dass die Zusammenarbeit eine Bereicherung für Jugendliche, JMD und die Unternehmen ist, ist für die Beteiligten keine Frage. Neue Lebens- und Sichtweisen werden ausgetauscht, interkulturelle Sensibilität gestärkt und Toleranz gefördert.
Die JMD-Beraterin erläutert: „Hier stoßen drei Welten aufeinander: Jugendliche, Sozialarbeiterin und Wirtschaftsjuniorin. Wir klären, welche Ansprüche an die Jugendlichen gestellt werden und welchen sie gerecht werden können. Die Unternehmen erkennen, dass da arbeitswillige Jugendliche kommen, die viele Kompetenzen mitbringen. Und wir als JMD erhalten Einblick in die Wirtschaft. Wie sind die Erwartungen? Welche Perspektiven können wir für die Jugendlichen schaffen? Durch diese Zusammenarbeit profitieren wir alle voneinander“.

 

Von Athen ins Bergische Land zum JMD

 

Sofia aus Griechenland ist dankbar für die Hilfe vom JMD

 

Nachdem die 18 jährige Sofia mit ihren Eltern und Geschwistern vor drei Jahren aus Griechenland nach Deutschland kam, fand sie schnell den Weg zum JMD. „Frau Müller vom JMD hat mir so viel geholfen. Alles, das mit der Schule, dem Sprachkurs, den Papieren.“, lächelt Sofia. 


Während der Begleitung durch den JMD meldete sich eine Wirtschaftsjuniorin und bot ihre Unterstützung als Coach an. „Bei Sofia war gerade das Thema Übergang Schule-Beruf zentral und wir überlegten, wie es nach dem Sprachkurs weitergehen könnte.  Da kam das Coaching-Angebot wie gerufen“, erzählt Eva-Maria Müller. In einem persönlichen Gespräch beim JMD haben sich die Wirtschaftsjuniorin Katja Bois und Sofia dann kennengelernt und gleich gut verstanden. Neben dem gemeinsamen Lernen und der Hilfe bei den Hausaufgaben, haben sie auch viel miteinander geredet und unternommen. „Jeden Tag lernte ich etwas Neues. Frau Bois hat mir viel von Deutschland und dem Leben hier erzählt. Wir sind zum Beispiel auch durch die Stadt gegangen und sie hat mir einiges gezeigt“, erzählt das junge aufgeweckte Mädchen. 

 

Seite an Seite für Fortschritte und Neuorientierung

In Griechenland war Sofia auf dem Weg zum Abitur. Dieses Ziel wollte sie in Deutschland unbedingt weiter verfolgen, um in Zukunft studieren zu können. Die Wirtschaftsjuniorin unterstützte sie dabei und gab ihr Nachhilfestunden. „Es war toll für mich. Wegen ihr habe ich meine Deutschprüfung mit sehr gut bestanden.“, strahlt sie.
Doch trotz aller Anstrengungen war Sofia mit ihren schulischen Leistungen unzufrieden. In einem Gespräch mit dem JMD und der Wirtschaftsjuniorin, wurde geklärt, wie es weitergehen könnte. „Sie hätte vielleicht geduldiger sein müssen, da sie große Fortschritte in Deutsch gemacht hat. Aber eine Klasse zu wiederholen entsprach nicht ihrem persönlichen Anspruch“, fügt die JMD-Beraterin Müller hinzu. Das zielstrebige Mädchen, das fünf Sprachen fließend spricht, entschied sich dann, die Schule zu wechseln und das Abitur auf Griechisch anzustreben. Katja Bois und Eva-Maria Müller standen ihr währenddessen zur Seite. „Ich glaube jeder der neu nach Deutschland kommt, sollte so eine persönliche Ansprechperson haben. Sie und Frau Müller haben mir bei den Entscheidungen sehr geholfen.“

Neben der schulischen Unterstützung fand Sofia mithilfe der Wirtschaftsjuniorin auch einen Nebenjob als Köchin. Die Freude am Kochen hat das junge Mädchen von ihrem Vater, der ebenfalls im Restaurant eine Anstellung fand. Frau Müller strahlt: „Wir haben also nicht nur Sofia mit der Wirtschaftsjuniorin zusammengebracht, sondern auch ihrem Vater eine Arbeitsstelle vermittelt. Das war einfach klasse.“

Mittlerweile ist Sofia sehr beschäftigt. Das Abitur steht vor der Tür, am Wochenende arbeitet sie im Restaurant und regelmäßig trifft sie sich weiterhin mit der Wirtschaftsjuniorin. „Ich habe eine Freundin gewonnen. Ich bin mutiger geworden. Vorher habe ich Frau Bois oder Frau Müller immer gefragt, wie kann ich das machen? Wie geht das? Und jetzt versuche ich es erst einmal selber. Und dann frage ich, ob ich das richtig mache.“ Und ihr Deutsch wird auch immer besser. „Mittlerweile kann Frau Bois auch ein bisschen griechisch“,  schmunzelt sie.

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