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466 Jugendmigrationsdienste in Deutschland

reUNION! Von der Reanimation eines Platzes in Moabit West

Anfang 2018: Brennnesseln wachsen auf dem Unionplatz in Berlin, Gestrüpp, zerzauste Gebüsche, etwas Müll liegt herum, die Skateranlage ist moosbewachsen. Ein junger Mann hantiert, hinter einem Baum versteckt, mit einer Spritze. Aufhalten möchte man sich lieber nicht auf diesem Platz in Moabit West. So soll es nicht bleiben!

Wenn alle mit anpacken: Das Orga-Team beim Kiez-Fest

Das dachten sich zumindest die Anwohnerinnen und Anwohner sowie Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Einrichtungen, die an den Platz grenzen. Gemeinsam mit der Stadtteilkoordination Moabit West gründete Nadine Kügler die AG reUNION. Nadine Kügler ist Mitarbeiterin des Jugendmigrationsdienstes promigra Mitte Berlin des evangelischen Trägeres CJD Berlin-Brandenburg und Leiterin des Projektes „JMD im Quartier“. Das Modellprojekt richtet sich – anders als die Jugendmigrationsdienste sonst – nicht nur an junge Menschen mit Migrationshintergrund, sondern an alle Menschen im Quartier: Jugendliche, Kinder, Eltern und ältere Menschen. Sie alle leben schließlich hier als Nachbarn – und sie alle sollten sich an Plätzen wie dem Unionplatz gerne aufhalten, am besten miteinander.

Ein Fest im Quartier

Doch wie bringt man Menschen, die sich oft noch nicht einmal kennen dazu, sich einzubringen und gemeinsam einen Platz umzugestalten? Man feiert ein Fest - genau dort, wo sich etwas verändern soll! Gesagt, getan: Im Juni 2018 feierte JMD im Quartier mit anderen Einrichtungen und Netzwerkpartnern aus Moabit und einigen hundert Menschen aus dem Quartier ein Straßenfest. 54 Menschen beteiligten sich mit Flohmarktständen und einige Jugendliche, die sich vom Netzwerkpartner Karame e.V. kannten, übernahmen organisatorische Aufgaben. Für einen Sommernachmittag war das Viertel so, wie es immer sein sollte: bunt, wuselig, lebendig. Damit dieser positive Zustand kein Ausnahmezustand blieb, wurde auch ein wenig in die Zukunft geplant. Wer immer vorbeikam, durfte sich einbringen. „Wo hältst du dich gerne auf?“ „Welchen Ort würdest du gerne mehr nutzen?“ „An welchen Orten verbringst du deine Freizeit?“ „Wo findest du es doof?“: So lauteten die Fragen, zu denen Passanten Klebepunkte auf einem Stadtplan verteilen und kommentieren durften. So entstand bei vielen Bewohnerinnen und Bewohnern im Quartier vielleicht zum ersten Mal der Eindruck, dass sie ihren öffentlichen Raum mitgestalten können.

Verantwortung übernehme
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Verantwortung zu übernehmen verändert die Menschen, und das macht etwas mit dem Quartier. Der 16-jährige Kevin gehörte beim Kiezfest zu den Jugendlichen, die mit angepackt haben. Von morgens bis abends arbeitete er als Ordner mit. Ob ein Fest am Ende gelingt, liegt nicht zuletzt an Menschen wie Kevin. „Ich war die ganze Zeit hochmotiviert. Ich hatte eine wichtige Aufgabe und fühlte mich ernstgenommen“, erzählt er heute. Er sieht es als Selbstverständlichkeit an, dass er sich einbringt, wenn er die Gelegenheit hat. „Ich finde, jeder muss seinen Teil zur Gemeinschaft beitragen, damit das funktioniert.“ Damit reUNION funktioniert wird auch Kevin weiter mitmachen.

Netzwerk in Bewegung. Alle haben mitgemacht am Inforad.

Wem gehört der öffentliche Raum?

Für die Aktiven des Straßenfestes war das Fest keine Eintagsfliege, sondern der Auftakt für eine Umgestaltung des öffentlichen Raums. Die Arbeitsgruppe reUNION wertete die Umfrage aus und überlegte, was mit den Ergebnissen passieren sollte. Jugendliche planten mit, pädagogische Fachkräfte, JMD-Mitarbeitende und verschiedene Netzwerkpartner wie Karame e. V. oder das Zentrum für Kultur und Urbanistik. Sie alle haben ein Interesse: Die öffentlichen Plätze in Moabit lebenswerter zu gestalten und einen Raum zu schaffen, an dem Leben und Austausch stattfinden kann. Natürlich haben nicht alle die gleichen Interessen, trotzdem ziehen sie am selben Strang. Viele der Beteiligten waren bereit, mit anzupacken und Patenschaften für Park-Abschnitte zu übernehmen. Sie alle wollen die Ecken, die heute verwahrlost sind, nach ihren eigenen Ideen umgestalten und mit Leben füllen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Vor der Umsetzung steht oft die notwendige Genehmigung. Und die kostet manchmal viel Zeit und Nerven.

Der Auftaktspaziergang

Im Herbst 2018 ist die AG wieder einen Schritt weiter. Das Stadtentwicklungsamt hat verschiedene Akteure mit der Erstellung eines integrierten Entwicklungskonzepts für die Umgestaltung des Nahraums Bremer Straße beauftragt. Bei einem Kiezspaziergang mit Stadtentwicklungsamt und Vertreterinnen und Vertretern der AG reUNION werden verschiedene Stationen in Moabit von den Spaziergängern markiert und diskutiert. Am Ende sollen sowohl die Ergebnisse der Umfrage vom Sommerfest als auch die Bedenken und Ideen der AG reUNION in das Konzept miteinfließen. Inwiefern alle Ideen berücksichtigt werden können, ist noch nicht geklärt.

reUNION – und jetzt?

Es ist Winter 2018/19. Einiges wurde aufgeräumt, ein paar Spritzencontainer wurden aufgestellt, die Hecken sind gestutzt. Ideal ist der Zustand auf dem Unionplatz noch lange nicht. Aber es bewegt sich etwas im Quartier. Im Frühling sind hoffentlich wieder ein paar amtliche Hürden genommen und weitere Ideen können umgesetzt werden. Zum Beispiel ein Tisch-Kicker am Unionplatz.


Mehr zum JMD Berlin Mitte

Weitere Informationen unter: www.jmd-im-quartier.de

Text und Fotos: Servicebüro Jugendmigrationsdienste

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