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Netzwerkarbeit im JMD Leipzig: Austausch auf der Picknickdecke

Noch müssen Gruppenaktivitäten wegen Corona pausieren. Doch in der Netzwerkarbeit der Jugendmigrationsdienste (JMD) haben sie sich bewährt und werden sobald möglich wieder aufgenommen. Ein Beispiel dafür ist der JMD Leipzig, der sich im vergangenen Jahr mit lokalen Initiativen zum Vernetzungspicknick traf.


Netzwerk im Grünen: Von der Picknick-Aktion im Mariannenpark, die Harald Flemmig vom JMD Leipzig mitorganisiert hat, profitieren indirekt auch die Jugendlichen.

Der Mariannenpark im Leipziger Osten ist ein Bürgerpark. So wurde es 1913 beschlossen: Bürger sollen sich hier einmischen, mitgestalten und den Raum vielfältig nutzen. Auf besondere Art tut das der Jugendmigrationsdienst Leipzig zusammen mit anderen lokalen Initiativen, die sich hier an einem sonnigen Mittwochmittag zum Netzwerk-Picknick treffen. Denn Netzwerkarbeit ist eine wichtige Aufgabe der JMD.

Etwa 40 Menschen sind zusammengekommen. Sie sitzen auf bunten Decken im Halbschatten eines mächtigen Baumes, breiten Kuchen, Dips und Obstplatten aus und hängen Flyer mit Terminankündigungen an die Wäscheleine, die zwischen einem dicken Ahorn und einer Hecke gespannt ist. Viele Zettel hängen dort: Der Bürgerverein Sellerhausen-Stünz sucht noch Künstler*innen für das Parkbogenfest, das Zentrum für Umweltforschung möchte sein KOOP:LAB bekannter machen. Der CVJM wirbt für seine Sponsoren-Rallye, der Verein „Internationale Frauen“ kündigt ein brasilianisches Fest an. Auch interkulturelle Nachmittage, Angebote zur Umweltbildung und vieles mehr haben die Mitglieder des Netzwerks „AK Ost“ an die Leine gepinnt. Denn sie teilen an diesem Mittwoch nicht nur ihr Essen, sondern auch ihre Informationen miteinander.

Engagierte zusammenbringen
Harald Flemmig engagiert sich seit vielen Jahren in diesem Netzwerk. Er leitet den Jugendmigrationsdienst Leipzig in Trägerschaft des Naomi e.V. Neben der sozialpädagogischen Beratung fördern die JMD die Integration junger Zugewanderter auch durch Netzwerkarbeit. Nur wenn alle wichtigen Akteure die Anliegen der Jugendlichen kennen und mit den Jugendmigrationsdiensten zusammenarbeiten, können die Jugendlichen von ihren Angeboten profitieren. „Im AK Ost kommen unheimlich viele engagierte Menschen zusammen“, sagt Flemmig. „Die Begegnung zwischen so vielen unterschiedlichen Initiativen bietet zahlreiche Möglichkeiten.“ Um den Austausch zu unterstützen, plant Flemmig Netzwerkaktionen wie das Picknick mit und moderiert Treffen im Wechsel mit anderen Aktiven. Von dieser Koordinationsarbeit profitieren alle lokalen Akteure.

Mehr Möglichkeiten für JMD-Jugendliche
Zugleich kann der JMD die Kontakte gezielt für die Jugendlichen nutzen, die er berät. Durch den engen Austausch wissen die JMD-Beraterinnen und -Berater immer genau, welche Angebote ihnen im Umkreis zur Verfügung stehen, sei es zur Freizeitgestaltung, zur Weiterbildung oder zum Kontakte knüpfen. Denn für eigene Treffs und Kurse fehlt dem JMD oft die Zeit. „Bei uns besteht fast die gesamte Arbeit aus Beratung und Case Management. Wir haben unheimlich viel mit den klassischen Themen zu tun, die nach dem Ankommen in Deutschland anliegen: Zeugnisse anerkennen, Sprachkurse finden, Lebensläufe schreiben“, sagt Flemmig. Case Management meint die intensive Beratung und Begleitung eines jungen Menschen nach gemeinsam gesteckten Zielen und ist eine Kernaufgabe der Jugendmigrationsdienste. Eine solche Fallbegleitung nimmt viel Zeit in Anspruch und läuft über mehrere Monate oder Jahre. In den letzten Jahren ist die Zahl dieser Beratungsfälle gestiegen.

Den Kontakt pflegen, um besser helfen zu können
Flemmig freut sich über den Erfolg des Netzwerks, das von einem kleinen Kreis auf über 100 Mitglieder angewachsen ist. „Durch die Netzwerkarbeit können wir den jungen Menschen, die bei uns in die Beratung kommen, Gruppenangebote anderer Anbieter empfehlen, ob das nun die Hausaufgabenhilfe, ein Praktikumsplatz oder eine Volleyballgruppe ist. Ohne das Netzwerk könnten wir das gar nicht leisten.“ Analog gilt für alle anderen Netzwerker*innen, die im Mariannenpark zusammensitzen – Sozialarbeiterinnen an Schulen, Helfer von Jugendorganisationen, Naturschutzbeauftragte: Wenn sie bei ihrer Arbeit auf junge Menschen treffen, die neu in Deutschland sind, wissen sie, wohin sie sie zur Beratung schicken können: zum JMD. Ein wenig ist es so wie beim Picknick im Mariannenpark. Jede Person stellt ihr Angebot vor und ihre Kekse auf das Büfett – und bedient sich bei den Angeboten, die zur eigenen Zielgruppe und zum eigenen Geschmack passen. So landen nicht nur Brezeln, Dips und Bulgur bei den Richtigen, sondern auch Aktionsgruppen und Stadtteilfeste.

Zum JMD Leipzig (Naomi)

Text und Bild: Servicebüro Jugendmigrationsdienste

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