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464 Jugendmigrationsdienste in Deutschland

Modellprojekt "Jugendmigrationsdienst im Quartier"

JMD im Quartier - Zusammenleben gestalten

Im Modellprojekt Jugendmigrationsdienst im Quartier wird an 16 Modellstandorten erprobt, wie die Lebenssituation und -welten der Bewohnerinen und Bewohner verbessert und das soziale Zusammenleben gestärkt werden kann. Die Modellstandorte befinden sich in aktuellen bzw. ehemaligen Gebieten der Sozialen Stadt und sind in bestehenden JMD eingerichtet.  Im Rahmen des Modellprojekts sollen strukturelle Veränderungsprozesse angestoßen sowie Zugangsbarrieren zu sozialen Diensten und zu Angeboten im Quartier identifiziert und abgebaut werden.

Mit JMD im Quartier können junge Menschen in gemeinsamen Aktivitäten mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern das Quartier und das Zusammenleben mitgestalten - und verschiedene Möglichkeiten der Beteiligung kennenlernen und ausprobieren. In Kooperation zwischen Jugendmigrationsdiensten, Quartiersentwicklung und weiteren Akteuren im Quartier werden Mikroprojekte mit den jungen Teilnehmenden entwickelt und umgesetzt. Zu den Maßnahmen gehören zum Beispiel eine Fahrradwerkstatt mit einem Künstlerkollektiv, eine quartiersübergreifende Jugend-Konferenz oder Workshops zum interreligiösen Dialog mit verschiedenen Glaubensgemeinschaften im Quartier.

Das Modellprojekt wird von Juli 2017 bis Dezember 2021 durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und das Bundesjugendministerium (BMFSFJ) gefördert und ist Teil der Ressortübergreifenden Strategie Soziale Stadt.

Die JMD-Standorte im Modellprojekt

Standorttreffen JMD im Quartier 06. und 07.11.2018 in Frankfurt (Main)

Von Dienstag, 06. November, 12:00 bis Mittwoch, 7. November 2018, 14:00 findet das Standorttreffen im Projekt „JMD im Quartier“ im Saalbau Gallus, Frankenallee 111, 60326 Frankfurt (Main) (Tagungsort) statt.

Das Programm des Standorttreffens

Anfahrt Standorttreffen

Aus der Praxis

Zordi: „Für mich war es gar keine Frage, dass ich mitmache. Es ist wichtig zu wissen, wie und warum die Menschen hierhergekommen sind. Wenn ich all die Geschichten lese, weiß ich, ich bin mit meiner Erfahrung nicht alleine.“

Ein Zaun, der verbindet: Jugendmigrationsdienst Neubrandenburg eröffnet Fotoausstellung

Am Zaun des JMD in Neubrandenburg werden Passantinnen und Passanten ihren Schritt verlangsamen. Sie werden Gesichter betrachten und Geschichten dazu lesen. Es sind Geschichten von Menschen aus Neubrandenburg, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Zordi aus Syrien, Doris aus Weimar, Alireza aus Afghanistan, Jakob aus Kasachstan, Melwin aus Hamburg, Ingrid aus Polen, Tereza aus Tschechien, Jörg aus Goldberg, Yonas aus Eritrea. Sie alle haben etwas gemeinsam: Heute leben sie in Neubrandenburg, einer Stadt mit etwa 65.000 Einwohnern in Mecklenburg-Vorpommern und keiner von ihnen ist dort geboren. Noch etwas haben sie gemeinsam: Sie sind Teil der Ausstellung „Wege nach Neubrandenburg. Migration hat viele Gesichter“, die kürzlich beim Jugendmigrationsdienst der AWO eröffnet wurde.

Viele Wege führen nach Neubrandenburg

Die Portraits hängen fast lebensgroß am Zaun des AWO Migrationszentrums. Neun Bilder und neun Lebensgeschichten können sich Passantinnen und Passanten im Vorbeigehen anschauen und durchlesen. Zordi ist 2015 nach Neubrandenburg gekommen, Ingrid 1962, beide waren auf der Flucht. Anders als Doris, die 1961 versetzt wurde oder Melwin, der vor fünf Jahren beschloss, in Neubrandenburg zu studieren und dafür seine Heimat Hamburg zu verlassen. Die Bilder und die Geschichten sind so unterschiedlich, wie Menschen nur sein können. Männer, Frauen, Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Hintergründen, in unterschiedlichen Lebensphasen und mit ganz eigenen Lebensgeschichten. Die Aussage der Ausstellung ist einfach und eindrucksvoll: Migration hat es immer schon gegeben. Immer schon haben Menschen ihren Geburtsort verlassen, freiwillig oder unfreiwillig haben sie ihr Leben an anderen Orten auf der Welt weitergeführt. Migration ist kein Thema, das erst im Jahr 2015 nach Deutschland kam, auch wenn die Berichterstattung manchmal diesen Eindruck erweckt. Migration hat es immer schon gegeben.

Generationen mit Migrationshintergrund

„Anders“, so Oberbürgermeister Silvio Witt, „wäre Neubrandenburg gar nicht denkbar.“ Witt ist Schirmherr der Ausstellung. In seiner Eröffnungsrede erinnert er daran, dass schon im Jahr 1952, als Neubrandenburg Bezirkshauptstadt wurde, klar war, „dass die Stadt nur groß werden kann, dass nur Industrie angesiedelt werden kann, wenn Menschen hinzukommen.“ Vertriebene wurden nach Neubrandenburg geholt und Menschen aus dem südlichen Teil der DDR umgesiedelt. Nur durch Zugezogene konnte die Stadt wachsen. Das ist heute nicht anders. Keine Uni kann bestehen, wenn nur Einheimische dort studieren und lehren, Schulen und Kindergärten müssten schließen, wenn nicht immer wieder Familien zuziehen würden. Menschen sind immer schon in Bewegung gewesen. Dass jeder Mensch, der neu nach Neubrandenburg kommt, Hoffnungen, Wünsche und ein eigenes Schicksal mitbringt, zeigen die Bilder und die Texte der Fotoausstellung. Gerade, dass die Geschichten so unterschiedlich sind, dass sie Flucht, Vertreibung, Umsiedlung und Umzug aus eigenem Entschluss zusammenbringt, macht die Ausstellung so stark. Dass der Hamburger neben der Familie aus Afghanistan platziert ist und so gezeigt werden kann: Wir waren alle einmal fremd hier und jeder von uns bringt seine eigene Geschichte mit. 

Willkommen im Quartier

Organisiert hat die Ausstellung Tilman Herweg, Leiter des Modellprojektes „Jugendmigrationsdienst im Quartier“ gemeinsam mit dem Fotografen Andreas Meenke aus Neubrandenburg. Die beiden haben nach den passenden Menschen gesucht und dafür gesorgt, dass Texte und Bilder zusammenkamen. Die Ausstellung wird wahrgenommen. Als die Bilder noch keine halbe Stunde hängen, bleiben Fahrradfahrer stehen und Fußgänger lesen sich fest. Herweg ist selbst überrascht, wie viele Menschen den Weg zur Eröffnung finden. Die meisten Porträtierten sind gekommen, Beschäftigte der Stadt, der Bürgermeister, Dagmar Kaselitz, die Integrationsbeauftragte des Landes Mecklenburg-Vorpommern und viele Menschen, die einfach irgendwie davon gehört haben. Menschen aus Neubrandenburg, Menschen aus dem Quartier! Denn darum geht es hier. Die Ausstellung ist Teil des Modellprojektes „JMD im Quartier“. Nicht nur Jugendliche mit Migrationshintergrund möchte der JMD ansprechen, sondern alle Menschen, die hier leben. Denn letztlich geht es darum, dass die Menschen hier in Neubrandenburg zusammenleben. Mit all ihren unterschiedlichen Geschichten und ihren verschiedenen Lebenswegen.

Auftakttreffen der Standorte

Beim Auftakttreffen zum Projekt „Jugendmigrationsdienst im Quartier“ in Kassel stimmten sich alle Beteiligten am 5. und 6. März 2018 auf die fast vierjährige Projektlaufzeit ein und tauschten erste Erfahrungen aus.

Stadtplaner Dr. Konrad Hummel aus Mannheim machte in seinem Impulsvortrag Spannungsfelder zwischen Quartiersentwicklung, interkultureller Arbeit und den fünf Megatrends der Städte aus. Er hob hervor, wie wichtig die funktionierende Stadtverwaltung und die integrierte Stadtentwicklung für das Modellprojekt sei, schaute auf die vielfältigen Zielgruppen und brachte etwas Demut ein: Sich als kleines Projekt nicht zu viel vorzunehmen, dabei die Zielgruppe als Jugendliche mit ihren altersspezifischen Bedürfnissen zu verstehen und sie dabei zu unterstützen, für sich zu sprechen. Die MitarbeiterInnen präsentierten „ihre“ Quartiere mit Karten und Fakten und berichteten über geplante Mikroprojekte. Zwei Beispiele aus Frankfurt und Berlin:

- Das Frankfurter Gallusviertel ist ein lebendiger, wachsender Stadtteil. Die MitarbeiterInnen setzen vor allem auf kulturelle Angebote: Mit einer Workshopreihe finden junge Frauen und ihre Mütter über Tanz und Gesang zueinander und etablieren einen neuen Ort zum Austausch. Mit einem Videoprojekt können die Teilnehmenden ihr Quartier erkunden und lernen dabei Videodreh und -schnitt.
- Die Berliner KollegInnen starteten ihre ersten Monate mit viel Netzwerkarbeit im Quartier Moabit-West. Sie wollen bestehende Initiativen unterstützen, damit sie zu Regelangeboten werden und die Elternarbeit weiterentwickeln.

Die Teilnehmenden diskutierten engagiert zahlreiche Fragen der Startphase in Workshop-Runden zu selbst vorgeschlagenen Themen und mancher Ansatz der KollegInnen und ReferentInnen brachte willkommenes „Gedankenfutter“. Wie gelingt der Zugang zu verschiedenen Zielgruppen? Was muss ich bei der Konzeption von Mikroprojekten beachten? Was sind passende Beteiligungsverfahren? Wie können wir mit Blick auf Nachhaltigkeit in der Finanzierung das Modellprojekt vom Ende her denken?

Mit neuen Ideen, noch vielen Fragen zu den unterschiedlichen Quartierslandschaften vor Ort und auch schon ersten Antworten machten sich die MitarbeiterInnen auf den Heimweg – mit dem guten Gedanken an viele neue KollegInnen, die nur einen Telefonhörer weit entfernt sind!

Kontakt

Sie haben Fragen zum Modellprojekt?
Bitte wenden Sie sich an die Projektkoordination:

Benjamin Reichpietsch, Projektkoordination
t: 0228 95968-23, fax: -30
reichpietsch@jugendmigrationsdienste.de


JMD im Quartier
Servicebüro Jugendmigrationsdienste (JMD)
Adenauerallee 12-14 . 53113 Bonn

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