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467 Jugendmigrationsdienste in Deutschland

Modellprojekt "Jugendmigrationsdienst im Quartier"

JMD im Quartier - Zusammenleben gestalten

Im Modellprojekt Jugendmigrationsdienst im Quartier wird an 16 Modellstandorten erprobt, wie die Lebenssituation und -welten der Bewohnerinnen und Bewohner verbessert und das soziale Zusammenleben gestärkt werden kann. Die Modellstandorte befinden sich in aktuellen bzw. ehemaligen Gebieten der Sozialen Stadt und sind in bestehenden JMD eingerichtet.  Im Rahmen des Modellprojekts sollen strukturelle Veränderungsprozesse angestoßen sowie Zugangsbarrieren zu sozialen Diensten und zu Angeboten im Quartier identifiziert und abgebaut werden.

Mit JMD im Quartier können junge Menschen in gemeinsamen Aktivitäten mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern das Quartier und das Zusammenleben mitgestalten - und verschiedene Möglichkeiten der Beteiligung kennenlernen und ausprobieren. In Kooperation zwischen Jugendmigrationsdiensten, Quartiersentwicklung und weiteren Akteuren im Quartier werden Mikroprojekte mit den jungen Teilnehmenden entwickelt und umgesetzt. Zu den Maßnahmen gehören zum Beispiel eine Fahrradwerkstatt mit einem Künstlerkollektiv, eine quartiersübergreifende Jugend-Konferenz oder Workshops zum interreligiösen Dialog mit verschiedenen Glaubensgemeinschaften im Quartier.

Das Modellprojekt wird von Juli 2017 bis Dezember 2021 durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und das Bundesjugendministerium (BMFSFJ) gefördert und ist Teil der Ressortübergreifenden Strategie Soziale Stadt.

Die JMD-Standorte im Modellprojekt

Standorttreffen JMD im Quartier 03. und 04.04.2019 in Hamburg

Von Mittwoch, 03. April, 12:00 Uhr bis Donnerstag, 04. April 2019, 14:00 Uhr findet das Standorttreffen im Projekt „JMD im Quartier“ in Hamburg-Harburg statt.

Standorttreffen im Frankfurter Gallusviertel 6.-7. November 2018

Talkrunde: Mitarbeitende berichten aus ihren Quartieren

Zusammenleben gestalten: Austauschtreffen der Standorte im Modellprojekt Jugendmigrationsdienst im Quartier

Zur Zwischenbilanz nach dem ersten Jahr im Modellprojekt "Jugendmigrationsdienst im Quartier" trafen sich Mitarbeitende sowie Vertreterinnen und Vertreter der Trägergruppen und der verantwortlichen Bundesministerien in Frankfurt am Main. Vom 6. bis 7. November 2018 gab es neben Workshops zu Partizipation und Netzwerkarbeit einen Fachvortrag zur Nutzung digitaler Medien und zur Jugendbeteiligung. In einer Talkrunde berichteten die Mitarbeitenden über ihre aktuellen Mikroprojekte vor Ort.

"Mittendrin"

- das war die Überschrift des zweiten Standorttreffens. Nicole Graf, Referatsleiterin im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und zuständig für die Bereiche Soziale Stadt und Städtebauförderung und Sabine Schulte Beckhausen, Referatsleiterin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, zuständig für Chancengerechtigkeit, Integration, Jugendsozialarbeit, konnten die 35 Teilnehmenden direkt im Stadtteil Gallus begrüßen. Dort liegt auch der Frankfurter Standort von "JMD im Quartier".

Talkrunde mit Vertretenden der Modellprojekt-Standorte

Eine Fahrradflotte, bereitgestellt von jungen Menschen für das Quartier in Wuppertal, Anti-Aggressionstrainings in Peine, ein Stadtteilfest in Völklingen oder eine vielbeachtete Fotoausstellung in Neubrandenburg: In einer Talkrunde berichteten vier Mitarbeitende über ihre Herangehensweise bei der Umsetzung von Mikroprojekten: "Wie erreiche ich einen Austausch im Quartier, wo viele Gruppen eher unter sich bleiben wollen? Wie binde ich junge Menschen frühzeitig in den Mikroprojekten ein?" - das waren Fragen, die mit den Projektpartnern diskutiert wurden.

Theorie und Praxis 

Junge Menschen nutzen im Alltag auf vielfältige Weise digitale Medien. Um sie anzusprechen, muss man die aktuellen Kommunikationskanäle kennen. Jürgen Ertelt vom IJAB e.V. - Projekt jugend.beteiligen.jetzt zeigte in einem interaktiven Vortrag nicht nur, wie man junge Leute über neue Medien erreicht, sondern er machte auch klar: Onlinetools bieten die Chance, junge Menschen besser bei der Planung von Projekten einzubinden und ihnen somit eine (gewichtigere) Stimme zu geben.

Die Partizipation junger Menschen und die nachhaltige Netzwerkarbeit im Modellprojekt standen in zwei Themenworkshops auf dem Programm. In einem Mix aus Theorie und Praxis berichteten die Mitarbeitenden von ihren Erfahrungen und arbeiteten an der Erstellung von Leitfäden.

Vielschichtigkeit der Quartiere

Die Vielschichtigkeit eines "JMD im Quartier"-Standortes erlebten die Teilnehmenden am zweiten Tag während des gemeinsamen Quartiersrundgangs im Frankfurter Gallus. Zwischen dem modernen Europaviertel, dem neuesten Teil des Quartiers, und dem "alten" Arbeiterviertel Gallus liegen Welten. "JMD im Quartier" will den Austausch der Bewohnerinnen und Bewohner fördern und neue Perspektiven aufzeigen. Die gute Vernetzung im Quartier ist hierbei ein Erfolgsfaktor, wie beim Besuch von "Pax & People -Kirche im Europaviertel" und des "Quartiersmanagement Gallus" deutlich wurde.

Mit vielen neuen Eindrücken verabschiedeten schließlich die JMD-Bundestutorinnen und -tutoren der vier JMD-Träger - Arbeiterwohlfahrt, Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit, Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit und Internationaler Bund - die Teilnehmenden und motivierten sie für die anstehenden Herausforderungen bei der Umsetzung von Mikroprojekten in ihren Quartieren.

Aus der Praxis

Zordi: „Für mich war es gar keine Frage, dass ich mitmache. Es ist wichtig zu wissen, wie und warum die Menschen hierhergekommen sind. Wenn ich all die Geschichten lese, weiß ich, ich bin mit meiner Erfahrung nicht alleine.“

Ein Zaun, der verbindet: Jugendmigrationsdienst Neubrandenburg eröffnet Fotoausstellung

Am Zaun des JMD in Neubrandenburg werden Passantinnen und Passanten ihren Schritt verlangsamen. Sie werden Gesichter betrachten und Geschichten dazu lesen. Es sind Geschichten von Menschen aus Neubrandenburg, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Zordi aus Syrien, Doris aus Weimar, Alireza aus Afghanistan, Jakob aus Kasachstan, Melwin aus Hamburg, Ingrid aus Polen, Tereza aus Tschechien, Jörg aus Goldberg, Yonas aus Eritrea. Sie alle haben etwas gemeinsam: Heute leben sie in Neubrandenburg, einer Stadt mit etwa 65.000 Einwohnern in Mecklenburg-Vorpommern und keiner von ihnen ist dort geboren. Noch etwas haben sie gemeinsam: Sie sind Teil der Ausstellung „Wege nach Neubrandenburg. Migration hat viele Gesichter“, die kürzlich beim Jugendmigrationsdienst der AWO eröffnet wurde.

Viele Wege führen nach Neubrandenburg

Die Portraits hängen fast lebensgroß am Zaun des AWO Migrationszentrums. Neun Bilder und neun Lebensgeschichten können sich Passantinnen und Passanten im Vorbeigehen anschauen und durchlesen. Zordi ist 2015 nach Neubrandenburg gekommen, Ingrid 1962, beide waren auf der Flucht. Anders als Doris, die 1961 versetzt wurde oder Melwin, der vor fünf Jahren beschloss, in Neubrandenburg zu studieren und dafür seine Heimat Hamburg zu verlassen. Die Bilder und die Geschichten sind so unterschiedlich, wie Menschen nur sein können. Männer, Frauen, Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Hintergründen, in unterschiedlichen Lebensphasen und mit ganz eigenen Lebensgeschichten. Die Aussage der Ausstellung ist einfach und eindrucksvoll: Migration hat es immer schon gegeben. Immer schon haben Menschen ihren Geburtsort verlassen, freiwillig oder unfreiwillig haben sie ihr Leben an anderen Orten auf der Welt weitergeführt. Migration ist kein Thema, das erst im Jahr 2015 nach Deutschland kam, auch wenn die Berichterstattung manchmal diesen Eindruck erweckt. Migration hat es immer schon gegeben.

Generationen mit Migrationshintergrund

„Anders“, so Oberbürgermeister Silvio Witt, „wäre Neubrandenburg gar nicht denkbar.“ Witt ist Schirmherr der Ausstellung. In seiner Eröffnungsrede erinnert er daran, dass schon im Jahr 1952, als Neubrandenburg Bezirkshauptstadt wurde, klar war, „dass die Stadt nur groß werden kann, dass nur Industrie angesiedelt werden kann, wenn Menschen hinzukommen.“ Vertriebene wurden nach Neubrandenburg geholt und Menschen aus dem südlichen Teil der DDR umgesiedelt. Nur durch Zugezogene konnte die Stadt wachsen. Das ist heute nicht anders. Keine Uni kann bestehen, wenn nur Einheimische dort studieren und lehren, Schulen und Kindergärten müssten schließen, wenn nicht immer wieder Familien zuziehen würden. Menschen sind immer schon in Bewegung gewesen. Dass jeder Mensch, der neu nach Neubrandenburg kommt, Hoffnungen, Wünsche und ein eigenes Schicksal mitbringt, zeigen die Bilder und die Texte der Fotoausstellung. Gerade, dass die Geschichten so unterschiedlich sind, dass sie Flucht, Vertreibung, Umsiedlung und Umzug aus eigenem Entschluss zusammenbringt, macht die Ausstellung so stark. Dass der Hamburger neben der Familie aus Afghanistan platziert ist und so gezeigt werden kann: Wir waren alle einmal fremd hier und jeder von uns bringt seine eigene Geschichte mit. 

Willkommen im Quartier

Organisiert hat die Ausstellung Tilman Herweg, Leiter des Modellprojektes „Jugendmigrationsdienst im Quartier“ gemeinsam mit dem Fotografen Andreas Meenke aus Neubrandenburg. Die beiden haben nach den passenden Menschen gesucht und dafür gesorgt, dass Texte und Bilder zusammenkamen. Die Ausstellung wird wahrgenommen. Als die Bilder noch keine halbe Stunde hängen, bleiben Fahrradfahrer stehen und Fußgänger lesen sich fest. Herweg ist selbst überrascht, wie viele Menschen den Weg zur Eröffnung finden. Die meisten Porträtierten sind gekommen, Beschäftigte der Stadt, der Bürgermeister, Dagmar Kaselitz, die Integrationsbeauftragte des Landes Mecklenburg-Vorpommern und viele Menschen, die einfach irgendwie davon gehört haben. Menschen aus Neubrandenburg, Menschen aus dem Quartier! Denn darum geht es hier. Die Ausstellung ist Teil des Modellprojektes „JMD im Quartier“. Nicht nur Jugendliche mit Migrationshintergrund möchte der JMD ansprechen, sondern alle Menschen, die hier leben. Denn letztlich geht es darum, dass die Menschen hier in Neubrandenburg zusammenleben. Mit all ihren unterschiedlichen Geschichten und ihren verschiedenen Lebenswegen.

Kontakt

Sie haben Fragen zum Modellprojekt?
Bitte wenden Sie sich an die Projektkoordination:

Benjamin Reichpietsch, Projektkoordination
t: 0228 95968-23, fax: -30
reichpietsch@jugendmigrationsdienste.de

Julija Lleshi
t: 0228 95968-22, fax: - 30
lleshi@jugendmigrationsdienste.de 


JMD im Quartier
Servicebüro Jugendmigrationsdienste (JMD)
Adenauerallee 12-14
53113 Bonn

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