Bild mit vier weiblichen Jugendlichen

Wie JMD wirkt: Die Jugendmigrationsdienste im Jahresrückblick 2022

Die Jugendmigrationsdienste waren 2022 stark gefordert. Mehr als 120.000 junge Menschen suchten die Beratung auf und gingen gemeinsam mit dem JMD erste Schritte auf ihrem persönlichen, schulischen oder beruflichen Weg in Deutschland. Neben Menschen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak kamen viele aus der Ukraine. Alle bringen ihre eigene Geschichte mit. Der JMD hilft ihnen, ihr Leben selbst zu gestalten.

Auf dem Weg, aber nicht allein: Mit den Jugendmigrationsdiensten gehen junge Menschen gestärkt in ihre Zukunft.

Rita ist eine von 120.000 Ratsuchenden: Vor ein paar Jahren kam die junge Syrerin erstmals zum JMD Neustadt an der Weinstraße. Gemeinsam mit den JMD-Beraterinnen bewältigte sie wichtige Schritte für ihr berufliches Leben in Deutschland. Der JMD unterstützte sie unter anderem bei der Anerkennung ihrer Zeugnisse und dem Erhalt eines Aufenthaltstitels. Nach einem Bundesfreiwilligendienst beginnt Rita nun eine Ausbildung zur Erzieherin. „Die Mitarbeiterinnen hier haben mir mein Selbstvertrauen zurückgegeben“, sagt sie.

Jungen Menschen zwischen 12 und 27 Jahren den Start in Deutschland erleichtern: Das ist der Auftrag der bundesweit rund 500 Jugendmigrationsdienste. Sie bieten Beratung und langfristige Begleitung, Kurse und Gruppenaktivitäten an und sind gut mit anderen Hilfsangeboten vernetzt. Der Bedarf ist hoch, wie die Beratungszahlen zeigen. Das liegt unter anderem an mehr als 8.000 jungen Ukrainerinnen und Ukrainern, die die Jugendmigrationsdienste aufsuchten. Die mit Abstand größten Gruppen blieben junge Menschen aus Syrien und Afghanistan. Aber auch Zugewanderte aus dem Irak, Eritrea, Somalia, Bulgarien und Rumänien wandten sich besonders häufig an die JMD.

Die Geschichten hinter den Zahlen

Hinter jeder dieser Zahlen steht ein Mensch mit seiner persönlichen Geschichte. Manche kommen nur einmal, um ein bestimmtes Anliegen zu besprechen; andere beschreiten gemeinsam mit den JMD-Beraterinnen und -beratern einen längeren Weg mit klar definierten Zielen, wie Rita. Diese Begleitung kann sich über mehrere Jahre erstrecken, in denen immer wieder Zwischenziele gesteckt, Entwicklungen angestoßen und Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Dabei geht es häufig um Anerkennungsfragen und den beruflichen Werdegang.

Der JMD vermittelt außerdem Integrationskurse, hilft beim Ausfüllen von Anträgen und geht auch mal mit zu Behörden, um Fragen zu klären. Auch bei persönlichen Konflikten steht der JMD den jungen Leuten zur Seite. Das erlebte Sabiha aus Pakistan, die als Ausländerin in der Schule gemobbt wurde. Im JMD Cuxhaven fand sie Rückhalt und lernte andere junge Menschen kennen, die sie nicht wegen ihrer Sprache oder Kleidung diskriminierten. Auch als es zu Hause Probleme gab und die junge Frau auszog, berieten und unterstützten sie die Mitarbeiterinnen des JMD.

Häufigste Herkunftsländer der Ratsuchenden:
Je größer die Schrift, desto häufiger kamen Menschen aus diesem Land zum JMD.

Viele JMD-Mitarbeitende bringen eigene Migrationserfahrungen ein

Um welches Thema es auch geht, die JMD-Fachkräfte stehen verlässlich an der Seite der Jugendlichen. Die Berater und Beraterinnen sind gut ausgebildet, haben oft langjährige Erfahrung und sind gut vernetzt. Hinzu kommt bei über einem Drittel eine eigene Migrationsbiografie. Sie kennen die Herausforderungen der Jugendlichen oft aus erster Hand und teilen Erfahrungen wie Zuwanderung, Sprachbarrieren, kulturelle Unterschiede bis hin zur Konfrontation mit Rassismus und Vorurteilen. Manche besuchten selbst früher die JMD-Beratung wie die Iranerin Zarah Hassanpour vom JMD Ludwigshafen und Speyer. Sie sattelte von Modedesign auf Soziale Arbeit um und stieg in kurzer Zeit zur Leiterin des JMD auf.

Auch Yaseen Taha vom JMD Neunkirchen profitiert von den eigenen Migrationserfahrungen. Mit verschlungenen Wegen, Ausdauer und Flexibilität kennt er sich aus: Aus dem Irak geflüchtet, arbeitete er sich vom „Burgerbrater“ zum JMD-Berater hoch. Im Irak studierte er Informatik, jetzt setzt er sich mit Leib und Seele für junge Zugewanderte ein. Ob mit oder ohne Migrationsgeschichte: Viele JMD-Mitarbeitende sprechen mehrere Sprachen und können auch dadurch Barrieren abbauen. Arabisch, Russisch, Kurdisch und Dari sind neben Deutsch die von den Ratsuchenden vorrangig gesprochenen Sprachen.
 

Ganzheitliche Beratung durch ein starkes Netzwerk

Nach zwei Jahren pandemiebedingter Einschränkungen kam 2022 neuer Schwung in die Aufgabenfelder rund um die Beratung. Netzwerktreffen und lokale Veranstaltungen konnten wieder vermehrt stattfinden. Das schlägt sich in einer erhöhten Zahl von Kooperationen und Kooperationspartnern nieder. Um die vielfältigen Probleme der Jugendlichen lösen zu können, braucht es Verbündete. Ein Beispiel für gelungene Netzwerkarbeit ist der JMD Lichtenfels in Oberfranken. Dort tauschen sich unter anderem Vertreterinnen und Vertreter von JMD, Jugendamt, Agentur für Arbeit, Jobcenter, Handwerkskammer, Schulamt und IHK in regelmäßigen Treffen aus. Die beteiligten Institutionen sind gut über die Angebote der anderen informiert und können Schwachstellen oder Versorgungslücken identifizieren. Der JMD bietet auf dieser Grundlage Ratsuchenden eine ganzheitliche Beratung und setzt sich für ihre Belange ein.

Mit gut 2.000 war auch die Zahl der Kurse und Gruppenaktivitäten im vergangenen Jahr wieder hoch, wenn auch noch nicht auf dem Niveau vor der Pandemie. Sprach- und Kompetenztrainings, Veranstaltungen zur Berufsorientierung oder zu gesellschaftlichen Themen, aber auch Computerkurse oder Elterngespräche gehören dazu. Wichtig sind auch Freizeitaktivitäten, die die jungen Menschen in Kontakt mit Gleichaltrigen bringen. Dort können die Jugendlichen sich ausprobieren, neue Erfahrungen machen und ihr Selbstbewusstsein stärken. Leonora aus Bosnien wirkte beispielsweise an einem Theaterprojekt des JMD Cuxhaven mit: „Mir hat das geholfen, etwas Neues zu lernen. Das hat uns Spaß gemacht, wir haben gelacht und neue Freunde kennengelernt.“

JMD Respekt Coaches fördern Demokratie an Schulen

Rund 160.000 Schülerinnen und Schüler nahmen zudem an Gruppenangeboten im Rahmen des JMD-Programms Respekt Coaches teil. Nach dem Motto „Lass uns reden! Reden bringt Respekt“ widmet sich das Programm Demokratieförderung und Extremismusprävention an Schulen. Gemeinsam mit den Schulen entwickeln die Respekt Coaches ein Präventionskonzept. Sie identifizieren Bedarfe und Anliegen der Schulgemeinschaft und binden externe Bildungsträger ein, um Projekte, Workshops und AGs durchzuführen. An rund 600 Schulen und über 270 Standorten beschäftigten sich Jugendliche mit Themen wie Meinungsfreiheit und Partizipation, Religion und Diversität, Rassismus und Extremismus. Sie entwarfen Zukunftsvisionen mit Stift und Sprühdose, realisierten eine Fotoausstellung über Freiheit und Gleichberechtigung oder diskutierten den Umgang mit Mobbing und Vorurteilen. In rund 3.800 Gruppenangeboten übten sie sich in Toleranz, Konfliktfähigkeit und Selbstwirksamkeit.

JMD sind da, wo die Jugendlichen sind – digital und analog

Um noch mehr Jugendliche zu erreichen, wurden die digitalen Tools der JMD weiter ausgebaut. Mit der App „JMD apply“ wurde ein digitaler Bewerbungscoach entwickelt, der junge Menschen spielerisch durch den Bewerbungsprozess begleitet. Beim sogenannten Digital Streetwork greifen JMD-Fachkräfte Fragen Jugendlicher in Online-Netzwerken auf und erreichen sie somit dort, wo sie sich täglich aufhalten. Daneben wurden wieder zahlreiche Online-Berater und -Beraterinnen geschult. Auf der JMD-Beratungsplattform www.jmd4you.de beraten sie junge Menschen anonym auf Deutsch und Englisch, aber auch auf Arabisch, Russisch, Türkisch und Albanisch. Das Angebot der JMD steht somit auch Menschen offen, die eine schlechte Verkehrsanbindung an den nächsten JMD haben oder sich noch nicht in Deutschland befinden.

Ob online, durch persönliche Beratung oder in Form von Gruppenprojekten: Auch im Jahr 2022 haben die Jugendmigrationsdienste zahlreiche junge Menschen begleitet und unterstützt, sie in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt und gemeinsam Hürden überwunden. Sie haben Netzwerke geschaffen und das Umfeld der Jugendlichen für deren Belange sensibilisiert. Ziel der JMD war und ist dabei weiterhin: Perspektiven schaffen, Teilhabe ermöglichen, Demokratie stärken – auch in den kommenden Jahren.

Die JMD sind Teil der Initiative JUGEND STÄRKEN, mit der sich das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für eine bessere Integration junger Menschen in Schule, Beruf und Gesellschaft einsetzt.

Zum Jahresrückblick als PDF-Download

Text, Daten und Darstellungen erstellt durch das Servicebüro Jugendmigrationsdienste, Juni 2023