Bild mit vier weiblichen Jugendlichen

Ausschreibung für die Entwicklung einer digitalen Plattform im Modellvorhaben JMD 2connect

Das Servicebüro Jugendmigrationsdienste in Bonn (Träger: BAG Ev. Jugendsozialarbeit e.V.) sucht einen Auftragnehmer zur Weiterentwicklung einer digitalen Beratungsplattform im Modellvorhaben JMD 2connect. Angebote werden bis zum 31.07.2026 erbeten. 

Zusammenfassung der  Ausschreibung

Veröffentlichtung am 01.07.2026

Vollständige Ausschreibung

Priorisierung der Anforderungen

Abbildung 1

 

I. Projektübersicht

a. Auftraggeber

Rund 500 Jugendmigrationsdienste (JMD) bundesweit unterstützen junge Menschen mit Migrationsgeschichte zwischen 12 und 27 Jahren durch Beratung, Bildungs- und Freizeitangebote. Einen Schwerpunkt bildet die individuelle Begleitung Jugendlicher auf ihrem schulischen und beruflichen Weg. Mit dem JMD-Bundesprogramm setzt sich das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) seit Jahrzehnten für eine bessere Integration junger Menschen ein.

Das Servicebüro Jugendmigrationsdienste in Bonn (Träger: BAG Evangelische Jugendsozialarbeit e. V.) schreibt im Rahmen des Modellvorhabens JMD 2connect für den Zeitraum ab Juli bis Ende der Projektlaufzeit Leistungen für die konzeptionelle und technische Entwicklung einer neuen Beratungsplattform ‚jmd4you'. Der Leistungszeitraum beginnt am 01.08.2026 und läuft bis zum Abschluss des Projekts. Nach derzeitigem Planungsstand endet das Projekt am 31.10.2026. Im Fall einer genehmigten Projektverlängerung, verlängert sich der Leistungszeitraum entsprechend bis längstens 31.03.2027

Gefördert wird das Modellvorhaben vom europäischen Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) und vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ). 

b. Projektbeschreibung

Ziel des Projekts ist es, durch die Anpassung der bestehenden jmd4you Website sowie ihrer Integration in die anderen Angebote der Jugendmigrationsdienste einen verbesserten Raum für die Organisation, Durchführung und Nachbereitung der Beratung von jungen Menschen mit Migrationswunsch zu schaffen. 



Die Jugendmigrationsdienste erreichen bundesweit mit analogen, sowie digital unterstützten Beratungs-, Bildungs- und Freizeitangeboten junge Menschen mit Migrationsgeschichte zwischen 12 und 27 Jahren. Projektübergreifend verfolgen die Jugendmigrationsdienste dabei drei zentrale Ziele: 

  • Die Verbesserung der Integrationschancen
  • Die Förderung der Chancengleichheit
  • Die Möglichkeit für Partizipation in allen Bereichen des sozialen, kulturellen und politischen Lebens für junge Migrant*innen

Im Fokus der praktischen Arbeit steht dabei die individuelle Begleitung Jugendlicher auf ihrem schulischen und beruflichen Weg durch sozialpädagogische Beratung und Case-Management.

Das Modellprojekt JMD 2connect verknüpft die digitale Beratung innerhalb der Bundesrepublik mit der Vorintegrationsberatung innerhalb der Projektländer Ukraine, Kasachstan, Albanien, Marokko, Türkei, und Jordanien. JMD 2connect bildet die Klammer über die Plattformen JMD digital-hub und jmd4you mit dem Ziel zukünftig alle digitalen Beratungsformate des JMD Programms an einem Ort auffindbar und zugänglich zu machen. Für eine Verbesserung der Beratungsleistungen soll die bestehende Plattform jmd4you technisch zu einer zentralen Anlaufstelle der Ratsuchenden für die Durchführung individueller Beratungen ausgebaut werden. 

Weitere Informationen können hier nachgelesen werden: https://www.jugendmigrationsdienste.de/vorintegrationsmassnahmen-in-der-onlineberatung#c2112 

Im Fokus dieser Ausschreibung steht die Beratungsplattform. Ziel ist die Bereitstellung der zentralen Features: Registrierung und Login, Terminmanagement, Dashboards für Ratsuchende und Beratende, Case-Management, Beratungsmedien und Dokumentation. Jmd4you wird als Plattform realisiert, die nahtlos in dem zur Zeit entwickeltem digital-hub aufgeht.

II. Hintergrundinformationen

„jmd4you“ als zentrales Beratungselement in der JMD-Systemlandschaft

Die Plattform jmd4you soll als zentrale digitale Beratungsplattform der Jugendmigrationsdienste fungieren. Die Plattform jmd4you soll daher für Ratsuchende einen möglichst niedrigschwelligen, nativen und schnellen Zugang zu einer individuellen Beratung bieten, die den Beratungspräferenzen der Ratsuchenden entspricht. 


Durch die Anpassung der bestehenden jmd4you Website sowie ihrer Integration in die anderen Angebote der Jugendmigrationsdienste soll ein verbesserter Raum für die Organisation, Durchführung und Nachbereitung der Beratung von jungen Menschen mit Migrationswunsch geschaffen werden.

Dafür müssen verschiedene Anforderungen von Ratsuchendenseite erfüllt werden. Zentraler Bestandteil: Die Beratung muss über verschiedene Medien (Telefon, Chat, Mail, etc.) zugängig sein, um den verschiedenen psychosozialen Bedürfnissen der Ratsuchenden zu begegnen, sowie die potenziell unterschiedlichen Literaritäts-Niveaus  innerhalb der heterogenen Nutzendengruppe zu berücksichtigen.

Die Beratungsmedien werden dafür grob in zwei Gruppen unterteilt: synchrone Beratungsmedien und asynchrone Beratungsmedien. Bei der Beratung über synchrone Beratungsmedien findet die Beratung zeitgleich statt. Das kann beispielsweise über ein (Video-)Telefonat oder auch einen vereinbarten Chat passieren. Bei der Beratung über asynchrone Beratungsmedien findet die Beratung nicht direkt statt. Asynchrone Beratungsmedien können beispielsweise eine Messenger Nachricht Chat-Nachricht oder eine E-Mail sein. 

Neben den Beratungsmedien sollen über jmd4you Termine unter Verknüpfung zur bestehenden digital-hub Infrastruktur vereinbart werden können. Dazu gehört das Zuweisen von Ratsuchenden an Beratende nach verschiedenen Kriterien, die Auswahl eines passenden Termins sowie zu einem späteren Zeitpunkt automatisierte Terminbestätigungen und Termin-Erinnerung an die Ratsuchenden. 

Für die Beratenden soll jmd4you darüber hinaus auch das Case-Management und die Dokumentation vereinfachen. Für das Case-Management soll jmd4you einen zentralen Raum für Kommunikation zwischen Ratsuchenden und Beratenden sowie die Datenablage darstellen. Die Plattform ist eng verknüpft mit sowohl den Beratungsmedien als auch der nachgelagerten Dokumentation. Die zentrale Bedeutung und Funktion von Case-Management wird in Kapitel 3 detailliert erläutert werden.

Ziele des Auftrags

Die Plattform jmd4you soll dementsprechend nach der Überarbeitung die folgenden zentralen Funktionen umfassen:

  • Homepage (für Ratsuchende)
  • Registrierung und Login (für Ratsuchende)
  • Terminmanagement
  • Dashboard
  • Case-Management (für Beratende)
  • Beratungsmedien
  • Dokumentation (für Beratende)

Nutzer:innenrollen im JMD jmd4you

jmd4you wird von zwei zentralen Nutzendengruppen verwendet, den Ratsuchenden und den Beratenden. 

  • Ratsuchende sind junge Menschen zwischen 12 und 27 Jahren, die von den Jugendmigrationsdiensten zu (vor-)integrativen Möglichkeiten und Schritten beraten werden möchten. Diese können sich in Deutschland oder im Ausland aufhalten.
  • Beratende sind bundesweite Angestellte verschiedener Träger, die für die JMD Kontingente für Beratungsleistungen verschiedener Art bereitstellen und die digitalen, sowie analogen Beratungen durchführen. 

Zusätzlich gibt es als dritte Nutzendengruppe hinaus noch Administrierende. Jede der Nutzendengruppen ist mit einem Kürzel versehen, das bei der Aufschlüsselung der Funktionen der Plattform als Indikator genutzt wird. 

III. Anforderungen

Zur besseren Nachvollziehbarkeit sowie zur strukturierten Darstellung der Anforderungen an die einzelnen Module wurde eine detaillierte Anforderungsliste erstellt. Diese ist dem Anhang (Anlage 1 Priorisierung der Anforderungen) in Form einer .docx-Datei beigefügt. Hier sind auch am Ende sämtliche Rollen und Rechte zusammengestellt.

IV. Rahmenbedingungen/ Schnittstellen 

Technisch und Aufbau
  • Zur Förderung von digitaler Nachhaltigkeit, Transparenz und Nachnutzbarkeit wird angestrebt, die Plattform als Open-Source-Lösung zu entwickeln. Der Quellcode soll offen verfügbar sein, um eine langfristige Weiterentwicklung und Wiederverwendbarkeit durch andere Träger, Projekte oder Organisationen zu ermöglichen.
  • Wir bieten die Möglichkeit, die technische Umsetzung auf der Open-Source-Plattform von Handbook Germany (https://handbookgermany.de/de) zu realisieren. Die Plattform basiert auf dem Framework Symfony in Kombination mit dem Content-Management-System Drupal.
  • Funktionalitäten müssen modular aufgebaut werden, um deren spätere Weiterentwicklung zu ermöglichen.
  • Zur Reduzierung des Entwicklungsaufwands wird die Einbindung vorhandener Lösungen (OSS) begrüßt. Dabei müssen Lizenzen vorab geprüft werden. Eine Abhängigkeit zu einem einzelnen Softwareanbieter sollte vermieden werden.
  • Es sollte ein umfangreiches Open-Source-CMS als 'Backend as a Service' verwendet werden, um Entwicklungsaufwände zu reduzieren und bestehende Module (z. B. Authentifizierung, Inhaltsverwaltung) darüber abzubilden.
  • Server und Schnittstellen (Backend) sowie visuelles Rendering (Frontend) müssen klar voneinander getrennt sein.
  • Die Plattform muss durch den modularen Aufbau flexibel erweiterbar, zukunftssicher und kosteneffizient im Betrieb sein.
  • Idealerweise werden populäre Technologien wie JavaScript mit Node.js, PHP mit entsprechendem Framework sowie TypeScript eingesetzt.
  • Die wichtigsten Funktionen sollten durch automatisierte Frontendtests abgedeckt werden.
  • Die Umsetzung muss gemäß der Anforderungen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) erfolgen.
Sprache
  • Die Website wird standardmäßig in einfachem Deutsch und Englisch bereitgestellt werden. Weitere Sprachen folgen. Nutzende sollten während der Nutzung der Seite zwischen den Sprachen einfach wechseln können.
  • Es sollte eine Library für das Verwalten von Übersetzungen möglich sein. Auch Mitarbeitende ohne Hintergrund als Entwickelnde sollten in der Lage sein, Übersetzungen zu verändern oder hinzuzufügen.
  • Die Verwaltung von Übersetzungen sollte idealerweise über ein Software-Tool möglich sein. 
  • Für eine spätere Erweiterung der Seite um die arabische Sprache durch den JMD muss das System technisch auf Rechts-nach-Links Darstellung (RTL) sowie entsprechende Layout und Schriftanpassungen vorbereitet sein. Die muss beim Implementieren der Designs und der Wahl des Design Systems berücksichtigt werden. 
  • Übersetzungen sind nicht Bestandteil des Auftrags, die Bereitstellung von Tools zur eigenen Umsetzung von ergänzenden Übersetzungen schon.
  • Darüber hinaus sollte die Website technisch dafür ausgestattet sein, Sprachen innerhalb der Nachrichten zu erkennen und zuzuordnen. So wird das Matching zwischen Beratenden und Ratsuchenden auf Basis von Sprache erleichtert. 
Design
  • Die Corporate Identity der bestehenden Seite wird übernommen, nicht jedoch die Gestaltungselemente (Formen). 
  • Die Implementierung muss responsiv und nach dem Mobile-First-Prinzip erfolgen und für gängige Gerätetypen (iPhone, Tablet, Computer) optimiert werden. PWA-Standards müssen eingehalten werden, um eine spätere Adaption für mobile Apps zu ermöglichen.
  • Es muss ein Open-Source-Designsystem verwendet werden, um die Implementierung eigener Komponenten zu vermeiden
  • Die Struktur muss klar in Seiten und Layouts differenziert sein
Sicherheit und Betrieb
  • Deutsche Datenschutzbestimmungen müssen bei der Entwicklung und innerhalb der Plattform eingehalten werden. 
  • Der Betrieb muss auf Servern in Deutschland oder der EU erfolgen 
  • Eine Backup-Strategie für alle Datensätze der Plattform muss entwickelt und implementiert werden. 
  • Ein Wartungsplan für die Plattform muss erstellt werden
  • Gängige Sicherheitsstandards (u.a. OWASP) müssen eingehalten werden.
  • Alle Verbindungen müssen verschlüsselt (mindestens TLS 1.2) erfolgen
  • Hochsensible Daten müssen bei Bedarf auf dem Server verschlüsselt gespeichert werden. 
Anbindung Drittsysteme
  • Integration externer Plattformen, wie JMD digital-hub über definierte API-Schnittstellen (z.B REST, OAuth2) 
  • Die Anwendung sollte Container-basiert bereitgestellt werden. 

V. Zeitplanung

Das Projekt ist zeitlich klar begrenzt und die technische Entwicklung sollte -nach erfolgreicher Projektverlängerung - bis spätestens Ende März 2027 abgeschlossen sein. Wir erwarten eine strukturierte und zielorientierte Vorgehensweise, die Zwischenergebnisse kontinuierlich sichtbar macht. Agile oder iterative Entwicklungsmethoden sind ausdrücklich erwünscht, sofern sie dazu beitragen, frühzeitig funktionsfähige Teilkomponenten bereitzustellen und eine kontinuierliche Abstimmung ermöglichen.

Der folgende Zeitplan dient als Orientierungsrahmen für die Umsetzung nach der verlängerten Variante:

  • August 2026: Produktvision & Systemarchitektur –Architekturplanung und technische Abstimmung; Feinjustierung der Produktvision auf Basis bestehender Anforderungen.
  • September – Oktober 2026: Prototyp-Phase – Entwicklung eines Prototyps zur internen Abstimmung und Nutzerführung (UX).
  • November – Dezember 2026: Alpha-Version: Erste funktionsfähige Version zur internen Qualitätssicherung sowie als Grundlage für die Entwicklung von Schulungsinhalten.
  • Januar 2026: Beta-Version & Testing – stabile Version zur Testung
  • Februar 2026: Optimierung & Rollout-Vorbereitung - Finalisierung auf Grundlage des Nutzerfeedbacks, Fehlerbehebungen, finale Schnittstellenintegration.
  • März 2026: Fertigstellung & Rollout.

Wir bitten alle Bieter*innen darum, ihren Angebotsvorschlägen einen detaillierten Zeitplan beizufügen, der mit den oben genannten Meilensteinen im Einklang steht und verbindlich eingehalten werden kann.

VI. Bewerbungsprozess

Interessierte Auftragnehmende werden gebeten, ein Angebot einzureichen, das folgende Bestandteile enthält:

  • Eine kurze Vorstellung der Einrichtung sowie des vorgesehenen Projektteams, inklusive relevanter Qualifikationen;
  • Eine Darstellung einschlägiger Erfahrungen und Referenzen, idealerweise im Kontext von NGOs, Digitalisierungsvorhaben oder der Jugendsozialarbeit;
  • Einen konzeptionellen Umsetzungsvorschlag, der neben einer fachlichen Herleitung auch einen Zeitplan mit konkreten Meilensteinen und Zielsetzungen umfasst; 
  • Eine nachvollziehbare Kalkulation der voraussichtlichen Gesamtkosten.

Etwaige Abweichungen von den in dieser Ausschreibung genannten Erwartungen (z. B. im Hinblick auf Umsetzungszeitraum oder Leistungsumfang) sind bitte deutlich kenntlich zu machen.

Fragen zum Ausschreibungsverfahren können per E-Mail an die untenstehende Kontaktadresse gerichtet werden. Die eingehenden Bieterfragen sowie die zugehörigen Antworten werden in anonymisierter Form auf dieser Webseite veröffentlicht. 

Reichen Sie Ihre Bewerbung bitte bis zum 31.07.2026 ein.

Kontakt

E-Mail: 2connect@jugendmigrationsdienste.de

Die Angebote an folgende Kontaktperson zu richten:Thomas Wolter (er/ihn)
Projektleiter JMD 2connect
Servicebüro Jugendmigrationsdienste/
BAG Ev. Jugendsozialarbeit e.V. (BAG EJSA)
Adenauerallee 12-14, 53113 Bonn
Tel: 0228 95968 – 12

Anlage

Vollständige Ausschreibung
Priorisierung der Anforderungen
Abbildung 1