Austausch im Bundestag: So schaffen die JMD gelungene Übergänge in Ausbildung und Beruf
Die Jugendmigrationsdienste begleiten junge Menschen mit Migrationsbiografie zwischen 12 und 27 Jahren auf ihrem Weg in Schule, Ausbildung und Beruf. Dabei nimmt ihre Beratung die gesamte Lebenssituation in den Blick: Die JMD unterstützen bei sprachlichen, schulischen, sozialen und beruflichen Herausforderungen, ermöglichen Chancengerechtigkeit und schaffen damit die Grundlage gesellschaftliche Teilhabe.
Politischer Rückhalt für die Jugendmigrationsdienste
Dass diese Arbeit unverzichtbar ist, unterstrich im Paul-Löbe-Haus des Bundestags Michael Hose (CDU), Bundestagsabgeordneter und Schirmpate des Parlamentarischen Frühstücks. Aus seiner Erfahrung als Schulleiter und als Vormund eines geflüchteten Jugendlichen weiß er um die Bedeutung verlässlicher Wegbegleitung: „Wir müssen jungen Menschen in diesem Land eine Chance bieten. Die Jugendmigrationsdienste leisten da einen wichtigen Beitrag zu gelungener Teilhabe in unserer Gesellschaft.“
Hakan Demir (SPD), Bundestagsabgeordneter und ebenfalls Schirmpate des Parlamentarischen Frühstücks, betonte die zentrale Rolle des JMD-Programms für den gesellschaftlichen Zusammenhalt: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie unser Land ohne Jugendmigrationsdienste aussehen würde. Wenn wir unsere Gesellschaft wieder stärker zusammenführen wollen, können wir Ressentiments und Ablehnung nicht allein mit bloßen Fakten begegnen – sondern mit Emotionen und Herz.“
Beide Schirmpaten machten damit deutlich: Perspektiven entstehen dort, wo junge Menschen verlässliche Unterstützung erfahren, um ihren eigenen Weg zu gehen – eine Aufgabe, die die rund 500 Jugendmigrationsdienste bundesweit täglich übernehmen.
Praxis zeigt Wirkung: Jugendmigrationsdienste als Netzwerk-Gestalter
Wie die Jugendmigrationsdienste junge Menschen am Übergang in Ausbildung und Beruf unterstützen, beschrieben drei JMD-Fachkräfte anhand konkreter Fallbeispiele. Dabei wurde deutlich: Die Arbeit der JMD wirkt insbesondere durch ihre intensive und langjährige Netzwerkarbeit. Vielerorts fungieren die Jugendmigrationsdienste als zentrale Akteure im Unterstützungssystem, die Behörden, Schulen, Ausbildungsunternehmen und Angebote der Jugendhilfe verbinden.
Strukturschwache Regionen stärken im ländlichen Raum
Janin Volkstaedt vom JMD Waren (Müritz) zeigte eindrucksvoll, wie insbesondere in ländlichen, strukturschwachen Regionen Barrieren abgebaut und Perspektiven geschaffen werden. So steht der JMD nicht nur jungen Menschen zur Seite, die mit rassistischen Vorurteilen oder fehlenden ÖPNV-Verbindungen konfrontiert sind. Die JMD-Fachkräfte sind zugleich Ansprechpersonen für Unternehmen, die Auszubildende unbedingt halten wollen. Ob bürokratische Hindernisse, Rückschläge im Lernprozess oder Herausforderungen im Team: Die Expertise des JMD trägt dazu bei, Lösungen zu entwickeln. So werden Ausbildungsverhältnisse stabilisiert und langfristige Beschäftigungsverhältnisse gesichert.
Durch Kooperation zur beruflichen Integration
Wie die Jugendmigrationsdienste als verbindendes Element zwischen jungen Menschen und gesellschaftlichen Institutionen wirken, machte Eylem Wetzel vom JMD Kiel-Mettenhof deutlich. Ihre Netzwerkpartner bestätigen dies: Für den Migrationsbeauftragten des Kieler Jobcenters ist der JMD „ein elementares Bindeglied zwischen den Ratsuchenden und der erfolgreichen Vermittlung in Arbeit und Ausbildung.“ Durch enge Kooperation beispielsweise mit Schulen und Sprachkursträgern, Jobcentern und Arbeitsagenturen, Betrieben sowie Industrie- und Handelskammern gelingt es dem JMD, lokale Akteure zu vernetzen und für die Bedarfe der jungen Menschen zu sensibilisieren. Die Zusammenarbeit erfolgt reibungsloser, Abstimmungswege werden kürzer und lokale Strukturen werden entlastet. Von der Funktion der Jugendmigrationsdienste als Koordinatoren von Integration vor Ort profitieren die jungen Menschen ebenso wie die Gesellschaft als Ganzes.
Digitale und analoge Zugänge ebnen den Weg
Die Bedeutung niedrigschwelliger und flexibler Anlaufpunkte demonstrierte Allegra Ringlein vom JMD Fürth. Durch eine Kombination analoger und digitaler Beratungsformate, das sogenannte Blended Counseling, macht der JMD eine Beratung möglich, die sich konsequent an der Lebensrealität junger Menschen orientiert. Das verdeutlichte die JMD-Beraterin am Beispiel einer 21-jährigen Ukrainerin im ländlichen Raum: Aufgrund mangelnder Verkehrsanbindung war sie in ihrer Mobilität eingeschränkt, benötigte jedoch dringend Beratung. Eine Kombination aus persönlicher Beratung, Messenger-Kommunikation und Telefonaten ermöglichte eine schnelle und individuelle Unterstützung genau nach ihrem Bedarf. Ergänzend bieten die JMD die ortsunabhängige, anonyme Online-Beratung jmd4you.de. Sie gewährleistet Datensicherheit, schafft einen geschützten Raum für sensible Fragestellungen und erleichtert den Erstkontakt. Die Erfahrungen im JMD-Programm machen deutlich: Vielfältige und bedarfsgerechte Zugänge sind entscheidend, damit Beratungsangebote junge Menschen erreichen und Integration in Ausbildung und Beruf gelingt.
Verlässliche Finanzierung als Voraussetzung für Stabilität
Trotz der positiven Ergebnisse, die die JMD mit ihrer Arbeit erzielen: Aufgrund steigender Kosten bei gleichbleibenden Fördermitteln werden derzeit Stellen im JMD-Programm abgebaut. Auch dies war Thema beim Parlamentarischen Frühstück. Sandra Kloke, Vorständin von IN VIA Hamburg e. V., brachte es aus der Trägerperspektive auf den Punkt: „Um unser bundesweites JMD-Programm auch 2026 und darüber hinaus fortführen zu können, brauchen wir eine verbindliche und auskömmliche Finanzierung.“ Die Jugendmigrationsdienste leisten einen zentralen Beitrag zu sozialer Stabilität, Fachkräftesicherung und einer zukunftsfähigen Wirtschaft. Damit ihre Arbeit weiterhin wirken kann, benötigen Träger und Fachkräfte Planungssicherheit und verlässliche politische Rahmenbedingungen.
Großen Zuspruch fand in diesem Zusammenhang die Arbeit im Bereich Demokratieförderung und Extremismusprävention. Im Rahmen des Programms Respekt Coaches haben die JMD in den vergangenen acht Jahren eine Expertise aufgebaut, für deren Erhalt sich viele Teilnehmende des Frühstücks aussprachen – auch nach dem Auslaufen der Förderperiode zum Jahresende 2026.
Positive Geschichten als gemeinsamer Blick nach vorn
In ihren abschließenden Worten griffen die beiden Schirmpaten die Diskussionen des Morgens noch einmal auf und formulierten einen gemeinsamen Ausblick. Neben politischen Lösungen brauche es auch einen gesellschaftlichen Perspektivwechsel. „Am Ende des Tages können wir diesen Kampf nur gewinnen, wenn wir wieder mehr positive Geschichten erzählen“, betonte Michael Hose.
Das Parlamentarische Frühstück wurde ausgerichtet von den vier Trägergruppen der JMD: dem AWO Bundesverband, der BAG Evangelische Jugendsozialarbeit, der BAG Katholische Jugendsozialarbeit und dem Internationalen Bund/Freie Trägergruppe.
Die Trägervertreter*innen dankten allen teilnehmenden Bundestagsabgeordneten für ihr Interesse und ihren Zuspruch.
Save the Date: JMD-Aktionswoche vom 28.9. bis 2.10.2026
Jährlich bei der bundesweiten Aktionswoche der Jugendmigrationsdienste erhalten Politiker*innen und Öffentlichkeit die Gelegenheit, einen der rund 500 Standorte zu besuchen und sich vor Ort ein Bild von der JMD-Arbeit zu machen. Bei Interesse wenden Sie sich gerne an unseren Pressekontakt.
Text und Bilder: Servicebüro Jugendmigrationsdienste
Kontakt: presse@jugendmigrationsdienste.de