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492 Jugendmigrationsdienste in Deutschland

Starke Biografien: Junge Menschen reflektieren ihren Weg in Deutschland

Was habe ich schon erreicht, welche Hürden bewältigt? Im JMD Cuxhaven interviewen sich Jugendliche gegenseitig über ihren Werdegang und erstellen Selbstporträts. So werden sie sich ihrer Stärken und Erfolge bewusst.

Als Özge Öz 2002 aus der Türkei nach Deutschland kam, veränderte sie sich von einem fröhlichen, aufgeschlossenen Teenager in ein stilles Wesen. „Ich habe zwei Jahre kein Wort gesprochen, nachdem mich Mitschüler wegen meiner Aussprache ausgelacht hatten“, erzählt die 31-Jährige. Heute ist sie selbstbewusst, fühlt sich wohl hier und arbeitet als ausgebildete Krankenschwester im Dialysezentrum in Cuxhaven. Sieben junge Frauen und Männer mit Migrationshintergrund hören ihr aufmerksam zu, stellen Fragen und formulieren anschließend einen Text – Biografie-Arbeit in einem neuen Projekt des Jugendmigrationsdienstes (JMD) des Paritätischen Cuxhaven.


Sie führen Interviews mit jungen Menschen mit Migrationshintergrund und erstellen daraus eine Broschüre und Poster – die Teilnehmer des aktuellen Projektes des Jugendmigrationsdienstes des Paritätischen Cuxhaven. (Foto: Nickels)


Der eigenen Entwicklung auf der Spur

Von April bis Ende Mai trafen sich die 14- bis 25-jährigen aus Somalia, Pakistan, Syrien, Angola und Nigeria immer mittwochs 90 Minuten lang in den JMD-Räumen. „Sie interviewen sich gegenseitig und auch viele der ehemaligen von uns betreuten Jugendlichen, die mittlerweile in ganz Deutschland verstreut leben“, erklärt JMD-Mitarbeiterin Vera Nickels. Özge Öz ist eine von ihnen – die damals schweigsame 13-Jährige hat mit zunehmenden Sprachkenntnissen nach dem Hauptschul- auch den erweiterten Realschulabschluss geschafft, sich den Traum einer Ausbildung zur Krankenschwester erfüllt und ihr Wissensspektrum durch ständige Fachfortbildungen unter anderem in der Dialyse, der Onkologie und Nephrologie erweitert.


Aus der schweigsamen 13-jährigen Özge Öz von 2002 ist mittlerweile eine erfolgreiche 31-Jährige geworden, wie die Krankenschwester den Projekt-Teilnehmern*innen erzählt. (Foto: Foto Cem)

Ihre Geschichte bewegt und soll gemeinsam mit vielen anderen Teil einer Broschüre werden, die pünktlich zum bundesweiten Aktionstag der Jugendmigrationsdienste am 30. Juni fertig sein soll. Zusätzlich erstellen die Projekt-Teilnehmenden Poster, auf denen neben einem Foto der Interviewten auch eine Antwort auf die Fragen „Was wünsche ich mir von der Politik und Gesellschaft?“ und „Wie können wir besser zusammenleben?“ in Deutsch und ihrer Muttersprache zu sehen sein wird.

Fokus auf persönliche Ressourcen

Projekt-Teilnehmerin Claudia Galiano macht an den BBS Cuxhaven eine Ausbildung zur Mediengestalterin und kümmert sich um die Poster, die im Haus der Jugend ausgestellt werden sollen. Die Schwestern Sabiha (19) und Fariha (17) fühlen sich durch die Interviews motiviert, betonen sie. Sabiha übersetzt zudem das Gehörte gekonnt ins Englische, um den Projekt-Teilnehmer David miteinzubeziehen, der noch kein Deutsch spricht.

Ziel des Projektes ist es, durch die intensive Biografie-Arbeit und das Erstellen von Selbstportraits die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ihrer Persönlichkeit und ihrem Selbstbewusstsein zu stärken. „Besonders für Jugendliche, die in ihrer Lebensgeschichte und sozialen Situation viele Belastungen zu bewältigen haben, ist die Entwicklung ihrer Persönlichkeit und ihrer Fähigkeiten oft eingeschränkt. Im Fokus des aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans finanzierten Projektes soll die Entdeckung, Formulierung und Aktivierung der Ressourcen stehen“, so JMD-Mitarbeiterin Dorota Mrusek.
 

Mehr über den Jugendmigrationsdienst Cuxhaven

Text: Michaela Wehr, Paritätischer Cuxhaven

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