JMD Cuxhaven: Weniger Vorurteile, mehr Chancengerechtigkeit
Cuxhavener Nachrichten: Seit wann gibt es den Jugendmigrationsdienst Cuxhaven und was sind seine Aufgaben?
JMD-Team: Der Jugendmigrationsdienst nahm im April 2008 in der Trägerschaft des Paritätischen Cuxhaven seine Tätigkeit auf. Ziel der sozialpädagogischen Begleitung war es, die sprachliche, soziale, schulische und berufliche Integration der Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu verbessern, Chancengerechtigkeit und Partizipation in allen Bereichen des sozialen, kulturellen und politischen Lebens zu fördern.
Welche Projekte sind in Stadt und Kreis Cuxhaven bereits ins Leben gerufen worden?
Mit Unterstützung des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ konnte der JMD sehr viele Projekte für Jugendliche in der Stadt und im Landkreis Cuxhaven umsetzen, zum Beispiel 2025 die JMD-Ausstellung YOUNIWORTH in Bederkesa. YOUNIWORTH richtet den Blick auf das Zusammenleben junger Menschen in Deutschland. Neben der Möglichkeit, sich multimedial zu informieren, schuf die Ausstellung einen Ort der Begegnung für junge Menschen, Fachkräfte und Politik.
Seit Jahren kooperieren wir auch mit der Theatergruppe „Das Letzte Kleinod“. In den Osterferien 2025 nahmen die Jugendlichen am Projekt „Peatland“ in Geestenseth teil und in den Herbstferien durften sie im Stück „Wasserwege“ mitwirken. In den Sommerferien fand ein Filmprojekt zu den Themen Meeresmüll, Verpackungen und Konsum statt.
Im Sommer 2025 ging es mit 23 Jugendlichen um die Frage „Wie ich nach Deutschland gekommen bin“. Der Besuch des Auswandererhauses war die Basis, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und hieraus Briefe zu verfassen. So entstand der Projekttitel „Briefe aus Cuxhaven“, gefolgt von einer gleichnamigen knapp 50-seitigen DIN A4-Broschüre.
Noch ein Beispiel: das Graffiti-Großprojekt von JMD im Quartier in Süderwisch. 17 an einen Spielplatz grenzende Garagenrückwände (etwa 120 qm) erhielten ein neues Gesicht, nachdem sie gereinigt, verputzt und grundiert worden waren. Über 50 Kinder malten und sprühten unter künstlerischer Anleitung. Nach der feierlichen Einweihung mit Oberbürgermeister und Bürgermeister, Nachbarn und Eltern gab es zur Belohnung Eis aus dem Eiswagen und die Kinder durften sich selbst feiern.
Gibt es neben zeitlich begrenzten Projekten auch ständige Angebote?
Ja, wir arbeiten intensiv daran, unsere Sprachangebote fest zu etablieren. Über ein Jahr lang waren wir bereits fest an der Realschule präsent. Leider konnte diese Kooperation aufgrund von Budgetkürzungen nicht weitergeführt werden. Wir setzen jedoch alle Hebel in Bewegung, um die Sprachtrainings dauerhaft bei uns fortzuführen. Seit einigen Jahren finden in Süderwisch außerdem einmal wöchentlich der Freizeit-, der Mädchen- und der Kunsttreff statt, offen für alle Kinder und Jugendlichen im Viertel und ausgerichtet an ihren Bedarfen und Wünschen.
Was hat der JMD für das Musikvideo-Projekt gegen Cybermobbing in der Oberschule Cuxhaven-Mitte getan?
Im Rahmen des JMD-Programms Respekt Coaches organisierte der JMD einen Rap-Workshop mit zwei „Rapagogen“. An zwei Tagen schrieb eine 9. Klasse unter der Anleitung der Rapagogen und in Begleitung der Klassenleitung und eines Respekt Coaches ihren Song und nahm diesen im Tonstudio auf. Die Rapagogen sind Rap-Musiker aus Mannheim von der Who.am.I Creative Academy, die Qualifikationen aus den Bereichen Pädagogik, Logopädie und Sozialarbeit mitbringen. Sie schaffen es immer wieder, die allermeisten Jugendlichen zu motivieren und eine vertrauensvolle und wertschätzende Atmosphäre zu kreieren, die oft über das Projekt hinauswirkt.
Was ist unter dem Begriff „Respekt Coaches“ zu verstehen?
Wir sind pädagogische Fachkräfte, die im Rahmen des gleichnamigen Bundesprogramms „JMD Respekt Coaches“ an Schulen tätig sind, um Respekt und Toleranz sowie demokratische Werte zu fördern. Themen sind – je nach Bedarf – die Bereiche Extremismusprävention, Prävention gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sowie Antidiskriminierung, aber auch Mobbingprävention, Medienkompetenz, Stärkung der Resilienz und Selbstwirksamkeit. Erlebnispädagogik, Theaterpädagogik und generell ein starker Fokus auf Partizipation ermöglichen das Lernen mit allen Sinnen. Zusätzlich sind die Respekt Coaches das Verbindungsglied zwischen Lehrkräften, Schulsozialarbeit und JMD.
Konnten Sie bereits verfolgen, wie es früher durch Sie begleiteten Jugendlichen später ergangen ist?
Ja, wir konnten sogar schon ein Projekt hierzu durchführen. Unter dem Motto „Cuxhaven und was weiter…?“ machten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Suche nach Lebenswegen der vom JMD Cuxhaven begleiteten jungen Menschen. Sie führten 22 Interviews, beschäftigten sich intensiv mit deren Biografien und stellten viele Parallelen zu ihrem eigenen Leben fest. Sie nahmen mit, dass es für alle neuzugewanderten jungen Menschen anfangs schwer war, aber dass alle ihren Weg gegangen sind. Diese Erkenntnis brachte Mut, Hoffnung und Zuversicht für den eigenen Weg. Auch für uns Mitarbeiterinnen war das sehr bewegend, denn mit vielen Jugendlichen von damals stehen wir immer noch im Kontakt. Viele bleiben in der Nachbetreuung, besuchen uns und einige sind mit uns auf Facebook befreundet.
Dieser Artikel erschien zuerst am 03.01.2026 in den Cuxhavener Nachrichten (CN). Die Fragen stellte Maren Reese-Winne.
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