JMD wirkt: Individuelle Perspektiven und Wirtschaftsfaktor
Als Selam mit 15 Jahren aus Eritrea nach Deutschland kam, war sie allein. Keine Familie, kein vertrautes Umfeld, viele Unsicherheiten. Über eine Freundin fand sie schließlich zum JMD Lübeck – und dort zu Serap Berrakkarasu. Die Beraterin unterstützte sie bei Bewerbungen, bei der Suche nach einem Praktikumsplatz und bei Terminen mit der Ausländerbehörde. Schritt für Schritt holte Selam ihren Schulabschluss nach, schloss eine Ausbildung zur Pflegehelferin ab und nahm die Arbeit in einem Seniorenheim auf. Heute steht sie auf eigenen Beinen. „Serap hat mich immer wieder aufgebaut, mir Mut und Hoffnung gegeben“, sagt die inzwischen 25-Jährige.
Auch Ahmad, 24, erhielt Unterstützung durch einen Jugendmigrationsdienst. Er kam 2022 aus Syrien nach Deutschland und wandte sich an den JMD Ennepe-Ruhr-Kreis. Ahmad blickt stolz auf seinen Weg zurück: „Zusammen mit dem JMD habe ich meine Zukunft geplant und eine Ausbildung begonnen.“ Heute ist er im ersten Lehrjahr als Fachinformatiker.
Schritt für Schritt in ein eigenständiges Leben: Selam, Ahmad und Hunderttausend andere
Selam und Ahmad sind zwei von Tausenden junger Menschen, die mithilfe der Jugendmigrationsdienste fortan in der Lage sind, ihren Weg eigenständig zu gehen, ihre Potenziale zu entfalten und sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen. Ihre Geschichten zeigen: Individuelle Förderung schafft gesellschaftlichen Mehrwert. Auswerten lässt sich das mithilfe der dokumentierten Fälle im sogenannten Case Management, d.h. der langfristigen, individuellen Begleitung: Rund drei Viertel der jungen Menschen finden Arbeit, bringen ihre schulische Laufbahn voran oder beginnen eine Ausbildung oder ein Studium. Dabei arbeiten die JMD Hand in Hand mit mehr als 44.000 Netzwerkpartnern vor Ort, beispielsweise Ämter, Schulen und Betriebe.

Mehr Sicherheit und Stabilität: JMD schaffen Perspektiven für junge Menschen aus Krisenregionen
Die häufigsten Herkunftsländer der Ratsuchenden waren 2025 Syrien, die Ukraine und Afghanistan. Das zeigt, wie wichtig die Jugendmigrationsdienste für die Integration junger Menschen aus aktuellen Krisen- und Kriegsregionen sind. Die JMD eröffnen Bildungs- und Berufsperspektiven, beugen Perspektivlosigkeit vor und stärken langfristig gesellschaftliche Stabilität. Gleichzeitig helfen sie, das hohe Bildungs- und Integrationspotenzial vieler junger Menschen für den deutschen Arbeitsmarkt zu erschließen – ein Gewinn für Unternehmen und Gesellschaft.

Schlüssel zur sozialen Teilhabe: Gruppenangebote der Jugendmigrationsdienste
Neben der individuellen Beratung organisieren die JMD bedarfsorientierte Gruppenangebote – wie den Offenen Lerntreff des JMD Ulm. Für Ehsanalla (18) aus Afghanistan und Rawaa (17) aus Syrien war er ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu ihrem Ziel: Medizin studieren. Beide kamen 2022 nach Deutschland und besuchen heute die Berufsfachschule in Ulm. Im Lerntreff bekamen sie Unterstützung beim Deutschlernen und bei den Hausaufgaben – und wurden mit der Zeit selbst zu Lernbegleitern. „Wenn ich Hilfe brauche oder Probleme habe, bekomme ich hier immer Unterstützung und Ermutigung“, sagt Rawaa. Bestärkt durch ihre Fortschritte bewarben sie sich erfolgreich um ein Begabtenstipendium des Landes Baden-Württemberg, das sie zum Abitur begleitet.
Das Beispiel zeigt, wie Gruppenangebote der JMD nicht nur individuelle Potenziale erschließen, sondern auch soziale Kompetenzen und Engagement fördern. Ob Lerntreff, Sprachförderung, Bewerbungs- oder Medienkompetenztrainings: Rund 1.900 Gruppenformate ergänzten 2025 die individuelle Beratung. Als Lern-, Begegnungs- und Erfahrungsräume wirken JMD-Gruppenangebote Einsamkeit entgegen und machen Zugehörigkeit erfahrbar. So wirken die Gruppenangebote weit über die einzelne Person hinaus: Sie stärken Schlüsselkompetenzen für soziale Teilhabe. Insgesamt profitierten 2025 rund 71.000 junge Menschen von JMD-Gruppenangeboten.
Wenn kein Bus fährt: Digitale Beratungsformen bringen junge Menschen ans Ziel
Für Sofia, 21, aus der Ukraine war es genau die richtige Lösung: Sie wollte sich finanzielle Unabhängigkeit erarbeiten und benötigte Unterstützung bei der Suche nach einem Praktikum oder Ausbildungsplatz. Doch die öffentlichen Verkehrsmittel in ihrem Landkreis ließen häufige persönliche Treffen nicht zu. Trotzdem konnte sie sich auf die Beratung des JMD verlassen. Ob datensichere Online-Beratung oder ein kurzer Austausch per Messenger: Der JMD stellte bedarfsgerecht und niedrigschwellig genau die Kontaktwege zur Verfügung, die die junge Frau brauchte. Und die sie schließlich ihrem Ziel ein Stück näherbrachten: ein Praktikum und eine Ausbildungsstelle als Orthopädietechnik-Mechanikerin.
Ein flexibler und konzeptionell fundierter Mix aus digitalen und analogen Beratungsformen macht die Beratung für alle jungen Menschen erreichbar – unabhängig von Verkehrswegen, Unterrichts- und Arbeitszeiten oder körperlichen Beeinträchtigungen. Die Online-Beratung jmd4you.de bietet zudem datensichere und anonyme Beratung auch zu besonders sensiblen Themen.
Jugendmigrationsdienst als Brücke zwischen Praxis und Politik
Ob beim Parlamentarischen Frühstück der Jugendmigrationsdienste, bei bundesweiten Fachveranstaltungen oder im Austausch mit Politik und Verwaltung vor Ort: Die JMD bringen ihre Praxiserfahrungen aktiv in fachliche und politische Prozesse ein. So tragen sie dazu bei, Verantwortliche zu sensibilisieren, Strukturen zu verbessern und die Integrations- und Jugendpolitik stärker an den realen Lebenslagen junger Menschen auszurichten.
- Die mobile JMD-Ausstellung YOUNIWORTH animierte mehr als 5.000 Menschen aus Politik und Zivilgesellschaft dazu, sich mit den Themen Jugend und Migration auseinanderzusetzen – darunter rund 50 politische Entscheidungsträger*innen, die die Impulse der Ausstellung in ihre fachliche und politische Arbeit tragen.
- Beim Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag (DJHT) kamen JMD-Fachkräfte mit Bundesjugendministerin Karin Prien ins Gespräch.
- Im Rahmen der JMD-Aktionswoche luden die JMD an mehr als 100 Standorten zum Austausch mit Jugendlichen und Fachkräften ein. Rund 60 Bundestagsabgeordnete sowie zahlreiche Politiker*innen der Landes- und Kommunalebene nutzten diese Begegnungen, um direkte Einblicke in Herausforderungen und Lösungsansätze vor Ort zu gewinnen.
Die gesellschaftliche Relevanz der Jugendmigrationsdienste untermauerten Vertreter*innen aus Politik und Wissenschaft im Rahmen der Jubiläumskonferenz „20 Jahre JMD: Zukunft können wir!“. Die Konferenz leistete einen Beitrag zu Wissenstransfer und fachlicher Vernetzung, förderte den Austausch zu aktuellen Herausforderungen und stärkte die Weiterentwicklung der JMD-Arbeit. Deutlich wurde auch hier: Die Arbeit der JMD wirkt weit über einzelne Biografien hinaus in Wirtschaft und Gesellschaft hinein.
Über die Jugendmigrationsdienste
An rund 500 Standorten bundesweit begleiten die JMD junge Menschen mit Migrationsgeschichte zwischen 12 und 27 Jahren auf ihrem schulischen und beruflichen Weg. Das Bundesprogramm Jugendmigrationsdienste wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ). Trägergruppen der Jugendmigrationsdienste sind die Arbeiterwohlfahrt, die BAG Evangelische Jugendsozialarbeit, die BAG Katholische Jugendsozialarbeit und der Internationale Bund/Freie Trägergruppe.
Text, Daten und Grafiken erstellt durch das Servicebüro Jugendmigrationsdienste, März 2026
